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Montag, 18. Juli 2016

{Krimi - Deutschland - Hitler} Über Hitler und Wagner

Hallo Leute!

Dieser Roman hat mich irgendwie schon vom Titel her gereizt... Denn es kam die ewige Frage auf: Hitler und ein Kriminalroman - darf man das?


Führerbefehl
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Daten
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Autor: Uwe Klausner
Verlag: Gmeiner
ISBN: 3839218004
Preis: 12,99€
Broschiert, 309 Seiten


Inhalt
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Der erste Teil der Handlung findet in Berlin statt. Es ist April 1945, die feindlichen Linien beginnen, sich um Berlin zu schließen - der Krieg ist längst verloren.

Kurz vor seinem Selbstmord ergeht ein Führerbefehl (nur eine Anmerkung, das ist natürlich fiktiv). Man soll die wertvollen Handschriften und Partituren Richard Wagners, die sich im Besitze Adolf Hitlers befinden, hinter die feindlichen Linien bringen. Sie sollen unter gar keinen Umständen den Sowjets in die Hände fallen. Dies gelingt auch.

Der zweite Teil spielt 23 Jahre später im Westteil Berlins. Das Land ist gefangen in den Aufständen der 68er, als ein toter Journalist gefunden wird. Er war in Besitz wertvoller Originalpartituren Wagners, die bisher als verschollen gegolten hatten.

Doch kaum beginnt Hauptkommissar Sydow mit seinen Ermittlungen, wird er schon zu einer weiteren Leiche gerufen. Im Tiergarten ist die Leiche eines Münchner Staranwaltes gefunden worden.

Zuerst ist sich Sydow sicher, dass es sich um zwei ganz unterschiedliche Fälle handelt. Doch je länger er ermittelt, umso mehr Verbindungen findet er.


Fazit
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Die Schatten der Vergangenheit sind nur sehr schwer loszuwerden. Und so ist es irgendwie schwierig - einerseits hat man schon eine spannende Geschichte. Die Hitlerpartituren, die plötzlich nach 23 Jahren zu Morden führen. Hitler in einem Kriminalroman - das darf man schon, man muss es aber gescheit umsetzen.

Auf der anderen Seite mangelt mir das ganze ein bisschen an Tiefe. Irgendwie konnte ich mich nicht so richtig hineinfiebern, weil die Spannung immer wieder durch halb-lustige Dialoge. Irgendwie konnte ich auch zu Hauptkommissar Sydow überhaupt keine Sympathie aufbauen.

Noch dazu haben sich kleinere Fehler eingeschlichen, die das historische Umfeld etwas demontieren - AK47 etwa, mit denen 1945 geschossen wurde, werden (wie der Name schon sagt und das habe ich extra nachgeschlagen) erst seit 1947 produziert.

Insgesamt ist es ein eher mäßiger Krimi mit einem mich sehr reizenden Titel - am Ende war ich aber dann doch eher enttäuscht - daher gibt es von mir nur mittelmäßige 2 Sterne. Normalerweise lese ich einen Krimi von 300 Seiten in 2 Tagen, diesmal hat es ganze 4 Monate gedauert - ermüdend langweilig bis ziemlich schlecht - Herr Klausner wird sicherlich niemals einer meiner Lieblingsautoren werden.

In diesem Sinne


Eure Anke

Donnerstag, 9. Juni 2016

{Sachbuch - Geschichte - Nazizeit} 16 Tage Pause für die Diktatur

Hallo Leute!

Die olympischen Spiele von 1936 in Berlin gehören nicht zuletzt dank der noch erhaltenen Gebäude zu den faszinierendsten Propagandashows des 20. Jahrhunderts. Ein bisschen kann man das Feeling noch erleben, wenn man im Olympiabad schwimmen geht oder wenn man das mächtige Olympiastadion anschaut.

Berlin 1936
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Daten
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Autor: Oliver Hilmes
Verlag: Siedler
ISBN: 3827500591
Preis: 19,99€
gebundene Ausgabe, 304 Seiten


Inhalt
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Tag für Tag folgt Oliver Hilmes den Ereignissen in Berlin im Sommer 1936 - aber nicht, wer welche Medaillen geholt hat, interessiert ihn, sondern wie die unterschiedlichsten Menschen Olympia in Berlin erleben - vom halbjüdischen Funktionär (dem "Alibijuden") oder den Chef des IOC, der eigentlich große Bedenken gegenüber den Spielen im Nazireich hat  über Sportler aus allen möglichen Ländern und Besuchern der Spiele (egal ob Einheimisch oder Touristen).

Anhand von Aufzeichnungen, Briefen und Tagebüchern erzählt Hilmes vom Erlebnis "Olympia unterm Hakenkreuz" - von den vielen kleinen Anzeichen - etwa dass der Gewichtheber, der den olympischen Eid schwört, dabei nicht wie vorgesehen die olympische, sondern die Hakenkreuzfahne in die Hand nimmt.

Immer wieder taucht etwa der Engländer Thomas Wolfe auf. Den begleitet man durch das Berliner Kulturleben, in die Nachtclubs und Bars. Doch gleich zu Anfang äußert er seine Bedenken, dass er Berlin, die Stadt der er verfallen sei, wohl "nie wieder" sehen wird.


Fazit
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Die Spiele von Berlin sind ein einziges Propagandakonstrukt und wohl das erste Massengroßereignis - legendär sind ja unter anderem die Filme von Leni Riefenstahl, die immer wieder als Beispiel der großen Propagandaleistung gefeiert werden.

Oliver Hilmes folgt in seinem Buch den unterschiedlichsten Menschen für genau diese 16 Tage im August 1936. Und damit lässt er die Spiele lebendig wirken wie nie.

Als sehr überraschend empfand ich, dass man die Diktatur für die Zeit der Spiele in Berlin quasi völlig zurückgefahren hat um sich als ganz normale, weltoffene europäische Großstadt zu präsentieren. Hitler hat beispielsweise außer dem Eröffnungssatz während der Spiele kein öffentliches Wort gesprochen. Mit einem Blick von heute kann man natürlich analysieren, dass genau diese "Friedensliebe" Teil der Propagandastrategie der Nazis war. Die Bars waren offen, die Anti-Judenschilder wurden auf Dauer der Spiele im Keller eingemottet - doch im Hintergrund läuft noch immer alles auf den Krieg hinaus.

Ein tolles Buch mit überraschenden Einblicken.

Von mir gibt es klare 5 Sterne

In diesem Sinne

Eure Anke

Dienstag, 7. Juni 2016

{Sachbuch - Geschichte - Nazizeit} Aufarbeitung ist gut

Hallo Leute!

Aufarbeitung der Nazizeit ist gut - gerade in unserer heutigen Zeit, wo rechte Kräfte wieder an Stärke gewinnen. Ich werde wohl zur letzten Generation gehören, die sich als Jugendliche bzw. Erwachsene persönlich mit Tätern und Opfern auseinandersetzen kann. Auf Beides wurde sowohl in der Schule als auch in meinem persönlichen Leben sehr viel Wert gelegt.

Meine Großeltern sind alle 4 aus ihrer Heimat (Sudetenland, Mähren und Breßlau) vertrieben worden und sind alle völlig unterschiedlich mit den Kriegsgeschehnissen umgegangen - eine Oma hat geschwiegen, die andere Oma war damals noch sehr jung und hat mir kürzlich erst erzählt, dass von einem Russen auf sie geschossen wurde, sie konnte sich aber noch in ein hohes Feld retten.

Alexandra Senffts Großvater war noch tiefer verstrickt. Er war damals für die SA in Bratislava stationiert und unterschrieb dort die Deportationsbefehle, weshalb er kurz nach dem Krieg hingerichtet wurde. Sie analysiert daher die Auswirkungen auf die heutige Generation.


Der lange Schatten der Täter
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Daten
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Autorin: Alexandra Senfft
Verlag: piper
ISBN: 349205739X
Preis: 22€
Gebundene Ausgabe, 352 Seiten


Inhalt
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Alexandra Senfft ist die Enkeltochter von Hanns Ludin, der 1947 als Kriegsverbrecher in Bratislava hingerichtet wurde. Er war SA-Obergruppenführer und an den Deportationen in der Slowakei beteiligt. Ihre persönliche Geschichte nimmt Alexandra Senfft (ehemalige Nahostreferentin bei den Grünen) zum Anlass für die Aufarbeitung der persönlichen Schicksale.

Aufhänger ist der Prozess um den Prozess um Oskar Gröning in Lüneburg. Der SS-Unterscharführer war 1942-44 in Auschwitz tätig und angeklagt, am Mord von 300000 Juden beteiligt gewesen zu sein. 2015 stand daher der 94jährige vor Gericht und Alexandra Senfft beobachtete das Verfahren.

In ihrem Buch beschäftigt sich Senfft mit den unbequemen Seiten der Aufarbeitung, die in den ersten Jahren nach dem Krieg quasi nicht existent war - sie war geprägt von Schweigen und vom "Schuldigfühlen" der Täter, das dadurch teils auf die Familien übertragen wurde. Das ging so weit, dass die Täter zu Opfern verklärt wurden und der Erwin ja nur dazu gezwungen war, zum Massenmörder zu werden, weil er sonst selbst ins Gas geschickt wurde.

Sie spricht mit Opfern wie mit Tätern und reist damit durch die Erinnerung, die sie als einen Auftrag für alle Generationen sieht.


Fazit
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Nun, die Aufarbeitung der persönlichen Geschichte ist selbstverständlich sehr wichtig. Mein Opa hat mir zum Beispiel immer nur die Geschichten aus seiner Heimat erzählt, nie aber was er genau im Krieg gemacht hat. Immer wenn ich mir Ausstellungen zu irgendwelchen KZ-Verbrechen oder anderen Massakern (z.B. in Kalavrita in Griechenland) anschaue, befürchte ich ein bisschen, ihn auf den Bildern wiederzufinden - das ist bisher aber glücklicherweise nicht passiert.

Der andere Opa (er war 1945 17 Jahre alt) war erst in den letzten Kriegstagen im Einsatz und erlebte die Bombennächte in Hamburg - er starb allerdings, als ich 13 war, damals konnte und wollte ich mich noch nicht so damit beschäftigen.

Sicherlich ist die Aufarbeitung wahnsinnig wichtig, vor allem weil es in der Verantwortung der aktuellen Generation steht, dass nie wieder eine Diktatur so viel Macht auf die Menschen hat, sie dazu zu bringen, ohne Bedenken Menschen in den Tod zu schicken. Auch die Prozesse wie die gegen Demjanjuk und Gröning in den letzten Tagen waren ein wichtiges Signal, dass ein solcher Mord nicht verjährt. Dabei ging es sicherlich nicht darum, die senilen Senioren für den Rest ihres Lebens einzusperren, sondern ein Signal an die kommenden Generationen zu senden, dass auch 70 Jahre nach Kriegsende die Verbrechen von damals geahndet und die Opfer gehört werden.

Eine Hypothese stört mich an dem Buch allerdings wahnsinnig. So schreibt Senfft von einer angeblichen epigenetischen Vererbung des Schreckens, das die KZ Überlebenden erlebt haben an die folgenden Generationen - die angebliche Studie dazu wird nicht zitiert. Nun bin ich aber studierte Molekularbiologin, mein Mann lehrt Molekularbiologie an der Wiener Uni und wir haben ausführlich diskutiert, dass eine solche Vererbung reiner Schwachsinn ist. Sicherlich wird das durch Erzählungen im Bewusstsein der folgenden Generationen in den Köpfen verankert, aber sicherlich nicht Vererbungsbiologisch, sondern viel mehr Neurologisch durch das Erzählen oder eben durch das Nichterzählen.

Eine Vererbung weckt wieder Assoziationen mit dem Begriff "Erbschuld", mit dem man ja so oft im Ausland konfrontiert wird. Für mich ist eine Erbschuld aber kompletter Humbug. Ich kann nichts dafür, was rund 40 Jahre vor meiner Geburt passiert ist. Allerdings liegt es in meiner Verantwortung, dass es definitiv nicht wieder passiert. Den Menschen etwas von ererbter Schuld einzureden, ist da wenig hilfreich, eine gelungene Aufarbeitung dagegen ist auch für die nächsten Generationen wahnsinnig wichtig, um den Frieden in Europa und der Welt zu bewahren.

Von mir gibt es 3 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke


Samstag, 21. Mai 2016

{Geschichte - Weltkrieg - Schicksal} Das verdrängte Kapitel

Hallo Leute!

Ich werde sicherlich mit zu den letzten gehören, die sich mit Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges persönlich sprechen kann - und ich habe das auch ausgiebig getan, schließlich gehörten meine Großeltern zu jenen Deutschen, die an den Folgen des Krieges sehr stark zu leiden hatten - sie kamen aus dem Sudetenland.

Nun wurden diese Geschichten schon sehr ausführlich aufgearbeitet. Bisher verdrängt wurden aber die vielen Tausend Selbstmorde, die verübt wurden - vor allem am Ende des Krieges. Ganze Familien und Dörfer löschten sich selbst aus.

Florian Huber hat dieses verdrängte Kapitel nun in seinem Buch aufgearbeitet.

Kind, versprich mir, dass du mich erschießt
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Daten
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Autor: Florian Huber
Verlag: Piper
ISBN: 3492308988
Preis: 11€
Taschenbuch, 304 Seiten


Inhalt
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In Form von Augenzeugenberichten und Tagebüchern und anderen Dokumenten arbeitet Florian Huber die Geschichte verschiedener Selbstmorde auf. Damit beginnt er mit dem kleinen Ort Demmin bei Anklam im heutigen Mecklenburg Vorpommern. Dort töteten sich vor während und nach dem Anrücken der Front insgesamt mehr als 600 Menschen - egal ob Apotheker oder Tierarzt, egal ob Flüchtling oder Eingeborenen. Die Menschen schluckten Gift, gingen ins Wasser, erhängten sich - und häufig nahmen sie ganze Familien mit, kleine Kinder, Säuglinge - alles aus Angst vor den Russen oder aufgrund bereits erlebter Vergewaltigungen und Gewalt.

Von Demmin ausgehend geht Huber der gesamten Selbstmordwelle nach, die von Königsberg auszugehen scheint - ein Pfarrer in Berlin spricht dann erstmals von einer Selbstmordwelle vor allem im Ostbereich.

Im Westen gibt es bei weitem weniger Selbstmorde - und die zumeist aus ganz anderen Beweggründen - meist nicht aus Angst sondern aus Schuldgefühl. Hier sterben meist irgendwelche sehr Regimetreuen Nazigrößen.

Ergänzt wird das Ganze durch einige der wenigen Aufnahmen von Tatorten, meist gemacht von Fotografen der Militärs.


Fazit
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Obwohl ich mich doch sehr häufig mit dem Thema Weltkriege beschäftigt habe, war ich mir dem Ausmaß überhaupt nicht bewusst - ganze Ortschaften begingen Selbstmord - versammelten sich beim Jäger, der zunächst alle erschoss und am Ende selbst Gift nahm. Und obwohl ich vor allem die Geschichten meines Großvaters kenne, der in polnischer Gefangenschaft war und anschließend aus seiner Heimat vertrieben wurde. Meine Oma dagegen, die die Vertreibung als junge Mutter erlebte (mein Opa war ja nicht da), verlor nur selten ein Wort.

Huber arbeitet die persönlichen Geschichten anhand von diversen Quellen - anhand von Abschiedsbriefen, Tagebüchern und persönlichen Dokumenten besonders intensiv und eindringlich auf, so dass es mir erstmals bewusst wurde, welche Verzweiflung geherrschft haben muss, damit eine Mutter mit ihren zwei kleinen Töchtern ins Wasser geht und sich ertränkt. Oder dass der OB von Leipzig, seine Frau und seine Tochter tot und schon wächsern im Büro im Rathaus abgelichtet werden.

Von mir gibt es 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Donnerstag, 28. April 2016

{Sport - Geschichte - Sachbuch} Olympia hat seine eigenen Geschichten

Hallo Leute!

Als deutscher Schüler hat man sich wohl mit kaum einem Thema im Geschichtsunterricht intensiver beschäftigt wie der NS-Propaganda. Dieser Roman erzählt die Geschichte von 9 Jungs aus der US-Provinz, die dem favorisierten Deutschen Team ganz unerwartet die Show in Berlin versauen.


Das Wunder von Berlin
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Daten
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Autor: Daniel James Brown
Verlag: Riemann
ISBN: 3570501841
Preis: 21,99€
gebundene Ausgabe, 496 Seiten


Inhalt
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Berlin 1936 - Olympia wird zu einer wahren Propagandashow für das noch relativ junge Hitlerregime.

Das Wunder von Berlin erzählt die wahre Geschichte des US-Amerikanischen Ruderteams aus Perspektive des Jungen Joe Rantz, der relativ perspektivlos durch das Leben ging, bis er sich an der Universität von Seattle dem Ruderteam anschließt.

Intensives Training führt dazu, dass die 9 Ruderer des Nationalteams sich erst schwer finden, sich dann aber für die Spiele in Berlin qualifizieren.

Parallel dazu wird auch die Situation in Deutschland - die immer schärfer werdenden Repressalien gegen Juden und die immer heftiger werdende Propaganda aus US-Perspektive gezeigt.

Im Finale schließlich liegen die Boote von den USA, Italien und Deutschland innerhalb 1 Sekunde - doch Deutschland holt auf heimischen Boden nur Bronze, die USA gewinnt.

Das Buch zeigt aus einer sehr bewegenden Perspektive die Geschichte der wohl größten Propagandashow, die jemals auf deutschem Boden stattgefunden hat. Denn Daniel Brown hat sie direkt von der Quelle, Rantz erzählte sie ihm kurz vor seinem Tod.


Fazit
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Die Geschichte von Jesse Owens, dem farbigen Läufer, der vor den entsetzten Augen des Führers die Goldmedaille gewinnt, kennt wohl jeder. Die Geschichte der Rudermannschaft, die der deutschen Mannschaft die prestigeträchtige 8er Goldmedaille abjagt, kannte ich bisher noch nicht.

Das Buch erzählt dabei nicht nur intensiv die Deutsche und die Amerikanische Geschichte der 30er Jahre, sondern man erfährt auch viel über die eigentliche Sportart - das harte und intensive Training, aber auch die aus heutiger Sicht laienhafte Arbeit im Hintergrund.

Spannend ist der Wechsel der Perspektive. Als Schüler lernt man natürlich eher die "Im Nachhinein weiß ich es besser" Perspektive zu den Entwicklungen im Deutschland der 30er Jahre. Hier aber erfährt man, wie man in den fernen USA die Entwicklungen primär aus der Distanz, bei den Spielen aber auch aus nächster Nähe erlebt und bewertet.

Dabei hat das Buch einen gewissen leichten Stil, die einem das Lesen leicht macht (auch wenn man sich nicht wirklich mit dem Rudern identifiziert). Man kann regelrecht in der Geschichte versinken, hegt sofort Sympathie mit Joe - ein bisschen ein Feeling, als würde man bei Opa im Wohnzimmer sitzen und sich seine alten Geschichten anhören.

Von mir gibt es klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Dienstag, 1. März 2016

{Geschichte - 20. Jahrhundert} Hitlerbild im Wandel der Zeit

Hallo Leute!

Kaum eine Person hat die deutsche Geschichte so negativ geprägt wie der Schreihals aus Braunau am Inn, der die ganze Welt ins Elend gestürzt hat. Und noch heute prägt er die Wahrnehmung der Deutschen nicht nur im Ausland, sondern auch die Selbstwahrnehmung.

Ein sehr modernes Buch über die Rezeption Adolf Hitlers im Wandel der Zeit ist kürzlich im Bertelsmann Verlag erschienen...

Mensch, Adolf
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Daten
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Autor: Rolf Rietzler
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 3570102882
Preis: 24,99€
gebundene Ausgabe, 544 Seiten


Inhalt
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Kaum eine Person ist über die Jahrzehnte hinweg so unterschiedlich wahrgenommen wie Adolf Hitler.

Rolf Rietzler hat eben diese Rezeption der historischen Person über die unterschiedlichen Phasen hinweg analysiert und damit ein Buch geschaffen, das sich weniger mit der Person selbst beschäftigt, sondern viel mehr damit, wie er über die Jahrzehnte hinweg in Deutschland und der Welt gesehen wurde.

Direkt nach dem Krieg gab es zunächst eine Phase des Leugnens - den Mann hat es quasi nicht gegeben. Und wenn, dann ist er der große Sündenbock, der das Volk und die Welt ins Elend geführt hat.

Danach wird er wieder etwas salonfähiger, er liegt irgendwo zwischen einem bösen Phantom und einem Hampelmann - man beginnt, ihn mit Humor zu sehen, der Skandal mit den angeblichen Tagebüchern geht durch die Medien. Man darf sich über ihn lustig machen.

Nach der Wende dann probiert man, die Vergangenheit sachlich aufzuarbeiten - das Fernsehen kommt in alle Haushalte und Guido Knopp verrät alles über Hitler und die Frauen, Hitlers Helfer usw. Dabei entwickelt er sich beinahe zu einer TV Marke.




Fazit
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Auch wenn Hitler nun schon seit fast 71 Jahren tot ist, ist er noch heute omnipräsent - gerade erst ist die Wiederauflage seines Buches in der Diskussion gewesen und seine Ideologien werden auch wieder salonfähig. Und wenn man in England aus dem Bus steigt (D-Kennzeichen) wird man mit dem bösen "Heil" begrüßt. Als ich nach Österreich zog, spürte ich plötzlich, dass man hier ein völlig anderes Bild herrscht.

In seinem Buch stellt Rietzler das Hitlerbild in der Gesellschaft im Wandel der Zeit bis zum Jahr 1999 vor. Dabei schreibt er ein sehr modernes und flüssig zu lesendes Buch, das sich sehr angenehm von anderen Hitlerbüchern unterscheidet - denn Biografien gibt es ja schon zu genüge. Es beschäftigt sich eben mehr mit der Gesellschaft.


Von mir gibt es klare 5 Sterne

In diesem Sinne

Eure Anke