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Montag, 5. Dezember 2016

{Geschichte} Europa (Teil 1)


Hallo Leute!


Ian Kershaw gehört als Hitlerbiograf zu den bekanntesten Historikern, die sich mit dem 20. Jahrhundert beschäftigt haben. Sein aktuelles Werk ist eine Zweibändige Analyse des vergangenen Jahrhunderts - Band 1 ist nun erschienen.


Höllensturz



Daten

Autor: Ian Kershaw
Verlag: DVA
ISBN: 3421047227
Preis: 34,99€
Gebundene Ausgabe, 768 Seiten

Inhalt und Fazit

Der britische Historiker Ian Kershaw nimmt uns mit auf eine Reise in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa und liefert dabei ein rundum Panorama der kriegerischen Zeit. Er beginnt mit dem Vorabend des Ersten Weltkrieges. Was hat zu diesem Höllensturz geführt? Warum kamen die Ereignisse so, wie sie kommen mussten?

Er erzählt davon, wie die Welt an den Rande des Abgrunds gerückt und da erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Ende des Kalten Krieges wieder rausgekommen ist.

Thematisch behandelt Kershaw damit 4 große Säulen: Was hat in den Krieg geführt? Warum war der Konflikt mit Ende des Krieges nicht gelöst? Warum hatte Hitler die Chance, an die Macht zu kommen? Und was führte zum Konflikt zwischen Kapitalisten und Kommunisten? 

Dabei gelingt es Kershaw aufgrund seiner Erzählweise, Geschichte ohne komplexe Quellenfussnoten fundiert, aber einfach darzulegen. Er lässt kein wichtiges Thema aus. Der Deutsche Kaiser hat Allmachtsphantasien, überall keimt Nationalismus auf, es musste zu einem Krieg führen. Beängstigend ist dabei übrigens, wie sehr sich die Ereignisse derzeit wiederholen.

Ich persönlich finde die Herangehensweise sehr spannend. Viele derartige Werke enden mit der Kapitulation. Kershaw allerdings führt die Analyse weiter in das Aufkeimen des Kalten Krieges, die Aufarbeitung der Kriegsereignisse bis hin zur Gründung der BRD und der DDR.

Das Buch thematisiert, warum Europa in Wahrheit eine ganz großartige Idee ist und besagt, was passiert, wenn man sich in Europa nicht mehr so ganz einig ist.

Von mir gibt es klare 5 Sterne

In diesem Sinne

Eure Anke



Samstag, 30. Juli 2016

{Hörbuch - Geschichte} Der Krieg ist zu Ende - es lebe die Revolution

Hallo Leute!

Alfred Döblin dürfte wohl vielen ein Begriff sein. In den Weltkriegsjahren schrieb er auf der Flucht ein echtes Monumentalwerk über die Novemberrevolution 1918 in Deutschland. Stolze 4 Bände hat dieses Werk - und alle wurden vertont. Mit dem Band "Karl und Rosa" handelt es sich um den 4. Band.


November 1918 - Karl und Rosa
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Daten
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Autor: Alfred Döblin
Verlag: der Hörverlag
ISBN: 3844514597
Preis: 16,99€
gelesen von:  Judith Hofmann, Werner Wölbern, Wolf-Dietrich Sprenger, Mathias Lange, Jan Hofer
3 CDs, 2 Stunden 54 Minuten


Inhalt
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1918 ist ein sehr kompliziertes Jahr in der deutschen Geschichte - im November ist gerade der Frieden von Compiègne unterzeichnet und verzweifelt bemüht sich Deutschland um eine neue Identität. Die Zeit der Entbehrungen ist vorbei, aber auch das Kaisertum ist Geschichte, eine neue Staatsordnung muss her. Naturgemäß bricht im ganzen Land eine politische Unruhe aus, die Novemberrevolution beginnt.

Im Fokus dieses Teils von Döblins Revolutionsbeschreibung steht die Arbeiterbewegung unter der Führung der bekannten Marxisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die im Zuge der Revolution beide Anfang 1919 ihr Leben lassen mussten.

Liebknecht rief unter anderem im Zuge der Revolution vor dem Berliner Schloss die "freie sozialistische Republik" aus, die sich aber im Zuge der Revolution relativ schnell der Weimarer Republik unterordnen musste.


Vertonung
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Die Hörspielfassung von Norbert Schaeffer bietet Szenen aus dem Vierten Band der großen Saga Döblins. Dabei ist die Vertonung an sich sehr reduziert, es gibt nur sehr wenige Hintergrundgeräusche, so dass die Stimmen dominieren.

Es handelt sich um die gekürzte Fassung, ein wenig sollte man sich historisch schon auskennen, um den Hintergrund und die einzelnen Szenen gut erfassen zu können.


Fazit
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Zugegeben, dieses Hörbuch ist sicherlich nichts für absolute Geschichtsmuffel. Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich mich da halbwegs gut auskenne - wer da mit wem und warum.Gerade in Zeiten der Novemberrevolution ist das Geflecht der Politik extrem kompliziert - wer setzt sich durch, wer nicht etc. Aber notfalls habe ich auch das eine oder andere nochmal kurz zum Verständnis bei Wikipedia nachgelesen, das macht es an vielen Stellen am Ende dann doch ein bisschen einfacher.

Mit verteilten Rollen gelesen und als Hörfassung recht schön bearbeitet gibt dieses Hörbuch gute Einblicke in den alltäglichen Kampf, den die Revolutionäre damals ausfichten mussten - und die beiden Protagonisten aus diesem Band wurden ja dann schließlich sogar im Januar 1919 auf offener Straße ermordet.

Das Hörbuch ist sicher kein "Easy Listening" für zwischendurch - das ist ein Klassiker wie Döblin wohl ohnehin selten - aber durch die grandiose Vertonung ist ein schönes und sehr hörenswertes Hörbuch entstanden.

Von mir gibt es sehr gute 4 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke


Donnerstag, 14. Juli 2016

{Sachbuch - Geschichte} Worte, die Geschichte machten

Hallo Leute!

Sätze, die Geschichte machen? Eigentlich zu jedem größeren Ereignis fällt mir da ein. Und mit diesem Sachbuch aus dem Piper Verlag gibt es dazu die Erklärungen und Ereignisse hinter den Sätzen...

Ich habe einen Traum - In 80 Sätzen durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts
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Daten
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Autor: Helge Hesse
Verlag: piper
ISBN: 3492254691
Preis: 11€
Taschenbuch, 368 Seiten


Inhalt
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In 80 Sätzen durch das 20. Jahrhundert - das hat sich Helge Hesse mit seinem Buch zum Ziel gesetzt. Und alle Größen des 20. Jahrhunderts sind vertreten - von Wilhelm II. bis Deng Xiaoping.

Chronologisch geht es durch die Geschichte des gesamten letzten Jahrhunderts.

Jedes der 80 Kapitel beginnt mit einem Satz - im Anschluss werden ausführlich die Hintergründe erläutert - die Situation, in der der Satz gesagt wurde und natürlich auch der historische Kontext.

Und die Klassiker sind alle dabei - von "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst" über "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu erbauen" oder "Ich habe einen Traum" bis hin zu Songtexten wie "I did it my way".

Und dabei geht es in dem Buch nicht ausschließlich um die politische Geschichte, sondern auch um Themen wie den Umgang mit Medien "Wir amüsieren uns zu Tode" oder "Jeder wird einmal 15 Minuten berühmt sein" oder die globale Gesellschaft "Wir leben in einem globalen Dorf".

Eigentlich sind auch alle großen Namen vertreten - von Kennedy bis Bush, von Lenin bis Gorbatschow, von Einstein bis Schweitzer. Allerdings darf jeder nur einmal - so fehlt zum Beispiel das legendäre "Isch bin ein Bärliner" von Kennedy, weil er schon mit einem anderen Zitat vertreten ist.

Am Schluss wird auch noch ein ausführliches Literaturverzeichnis angehängt, zum intensivieren.

Fazit
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Eine sehr außergewöhnliche aber auch interessante Herangehensweise an die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Schließlich gibt es kaum etwas, was sich mehr in den Kopf setzt, wie knackige Worte.

Und das spannende an diesem Buch ist es, dass eben nicht nur der Satz für sich alleine steht, sondern dass Hesse ausführlich die Hintergründe erläutert, die eben zum Teil auch überraschend sind. Das eine oder andere wird in einen ganz anderen Zusammenhang stellt, wie man ihn erwartet hätte.

Von mir gibt es 5 Sterne - die Idee ist großartig, die Umsetzung ist sogar unerwartet gut.

In diesem Sinne

Eure Anke

Dienstag, 7. Juni 2016

{Sachbuch - Geschichte - Nazizeit} Aufarbeitung ist gut

Hallo Leute!

Aufarbeitung der Nazizeit ist gut - gerade in unserer heutigen Zeit, wo rechte Kräfte wieder an Stärke gewinnen. Ich werde wohl zur letzten Generation gehören, die sich als Jugendliche bzw. Erwachsene persönlich mit Tätern und Opfern auseinandersetzen kann. Auf Beides wurde sowohl in der Schule als auch in meinem persönlichen Leben sehr viel Wert gelegt.

Meine Großeltern sind alle 4 aus ihrer Heimat (Sudetenland, Mähren und Breßlau) vertrieben worden und sind alle völlig unterschiedlich mit den Kriegsgeschehnissen umgegangen - eine Oma hat geschwiegen, die andere Oma war damals noch sehr jung und hat mir kürzlich erst erzählt, dass von einem Russen auf sie geschossen wurde, sie konnte sich aber noch in ein hohes Feld retten.

Alexandra Senffts Großvater war noch tiefer verstrickt. Er war damals für die SA in Bratislava stationiert und unterschrieb dort die Deportationsbefehle, weshalb er kurz nach dem Krieg hingerichtet wurde. Sie analysiert daher die Auswirkungen auf die heutige Generation.


Der lange Schatten der Täter
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Daten
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Autorin: Alexandra Senfft
Verlag: piper
ISBN: 349205739X
Preis: 22€
Gebundene Ausgabe, 352 Seiten


Inhalt
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Alexandra Senfft ist die Enkeltochter von Hanns Ludin, der 1947 als Kriegsverbrecher in Bratislava hingerichtet wurde. Er war SA-Obergruppenführer und an den Deportationen in der Slowakei beteiligt. Ihre persönliche Geschichte nimmt Alexandra Senfft (ehemalige Nahostreferentin bei den Grünen) zum Anlass für die Aufarbeitung der persönlichen Schicksale.

Aufhänger ist der Prozess um den Prozess um Oskar Gröning in Lüneburg. Der SS-Unterscharführer war 1942-44 in Auschwitz tätig und angeklagt, am Mord von 300000 Juden beteiligt gewesen zu sein. 2015 stand daher der 94jährige vor Gericht und Alexandra Senfft beobachtete das Verfahren.

In ihrem Buch beschäftigt sich Senfft mit den unbequemen Seiten der Aufarbeitung, die in den ersten Jahren nach dem Krieg quasi nicht existent war - sie war geprägt von Schweigen und vom "Schuldigfühlen" der Täter, das dadurch teils auf die Familien übertragen wurde. Das ging so weit, dass die Täter zu Opfern verklärt wurden und der Erwin ja nur dazu gezwungen war, zum Massenmörder zu werden, weil er sonst selbst ins Gas geschickt wurde.

Sie spricht mit Opfern wie mit Tätern und reist damit durch die Erinnerung, die sie als einen Auftrag für alle Generationen sieht.


Fazit
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Nun, die Aufarbeitung der persönlichen Geschichte ist selbstverständlich sehr wichtig. Mein Opa hat mir zum Beispiel immer nur die Geschichten aus seiner Heimat erzählt, nie aber was er genau im Krieg gemacht hat. Immer wenn ich mir Ausstellungen zu irgendwelchen KZ-Verbrechen oder anderen Massakern (z.B. in Kalavrita in Griechenland) anschaue, befürchte ich ein bisschen, ihn auf den Bildern wiederzufinden - das ist bisher aber glücklicherweise nicht passiert.

Der andere Opa (er war 1945 17 Jahre alt) war erst in den letzten Kriegstagen im Einsatz und erlebte die Bombennächte in Hamburg - er starb allerdings, als ich 13 war, damals konnte und wollte ich mich noch nicht so damit beschäftigen.

Sicherlich ist die Aufarbeitung wahnsinnig wichtig, vor allem weil es in der Verantwortung der aktuellen Generation steht, dass nie wieder eine Diktatur so viel Macht auf die Menschen hat, sie dazu zu bringen, ohne Bedenken Menschen in den Tod zu schicken. Auch die Prozesse wie die gegen Demjanjuk und Gröning in den letzten Tagen waren ein wichtiges Signal, dass ein solcher Mord nicht verjährt. Dabei ging es sicherlich nicht darum, die senilen Senioren für den Rest ihres Lebens einzusperren, sondern ein Signal an die kommenden Generationen zu senden, dass auch 70 Jahre nach Kriegsende die Verbrechen von damals geahndet und die Opfer gehört werden.

Eine Hypothese stört mich an dem Buch allerdings wahnsinnig. So schreibt Senfft von einer angeblichen epigenetischen Vererbung des Schreckens, das die KZ Überlebenden erlebt haben an die folgenden Generationen - die angebliche Studie dazu wird nicht zitiert. Nun bin ich aber studierte Molekularbiologin, mein Mann lehrt Molekularbiologie an der Wiener Uni und wir haben ausführlich diskutiert, dass eine solche Vererbung reiner Schwachsinn ist. Sicherlich wird das durch Erzählungen im Bewusstsein der folgenden Generationen in den Köpfen verankert, aber sicherlich nicht Vererbungsbiologisch, sondern viel mehr Neurologisch durch das Erzählen oder eben durch das Nichterzählen.

Eine Vererbung weckt wieder Assoziationen mit dem Begriff "Erbschuld", mit dem man ja so oft im Ausland konfrontiert wird. Für mich ist eine Erbschuld aber kompletter Humbug. Ich kann nichts dafür, was rund 40 Jahre vor meiner Geburt passiert ist. Allerdings liegt es in meiner Verantwortung, dass es definitiv nicht wieder passiert. Den Menschen etwas von ererbter Schuld einzureden, ist da wenig hilfreich, eine gelungene Aufarbeitung dagegen ist auch für die nächsten Generationen wahnsinnig wichtig, um den Frieden in Europa und der Welt zu bewahren.

Von mir gibt es 3 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke


Samstag, 4. Juni 2016

{Sachbuch - Geschichte - Weimar} Deutschlands erste Demokratie

Hallo Leute!

Schon seit Schulzeiten bin ich schon so ein bisschen ein Geschichtsfreak - Leistungskurs musste schon sein. Jüngere Deutsche Geschichte selbstverständlich. Ein Kapitel, das dabei immer ein bisschen Schattendasein fristet, ist die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen - und dass obwohl sie doch eine recht spannende Periode darstellt - nur kurz, aber immerhin war sie Deutschlands erste Demokratie. Mit dieser Zeit beschäftigt sich das neueste Werk von Uwe Klußmann.


Die Weimarer Republik
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Daten
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Herausgeber: Uwe Klußmann
Verlag: DVA
ISBN: 3421046964
Preis: 19,99€
Gebundene Ausgabe, 272 Seiten


Inhalt
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Der 9. November ist ein Schicksalstag für Deutschland - im Positiven wie im Negativen. In diesem Buch steht natürlich der 9. November 1918 im Fokus, als Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Balkon des Berliner Reichstages ausruft: »Die Hohenzollern haben abgedankt! Es lebe die deutsche Republik!«

Zum ersten Mal in seiner Geschichte regiert sich damit das deutsche Volk selbst. Doch diese Phase soll nur 15 Jahre anhalten, bis zur Machtergreifung Hitlers 1933.

Die unterschiedlichsten Historiker und Spiegelautoren widmen sich dem Thema Weimarer Republik von allen Seiten und zeigen dabei die Hochzeiten mit dem Wirtschaftsboom und trügerischer Stabilität und neuen Freiheiten, den "Goldenen Zwanzigern", aber auch die großen Krisen, etwa den Black Friday 1929, der natürlich auch auf die deutsche Wirtschaft seine Auswirkungen haben musste - und schließlich wird natürlich auch der Weg in das schwärzeste Kapitel geschildert und analysiert, warum es genau so kam, wie es gekommen ist.

Wir hören vom Kölner OB Konrad Adenauer, der sich von den Nazis so gar nicht einschüchtern lassen will, aber auch von den typischen Kunststilen aus dem Deutschland der 20er Jahre - Bauhaus und die destruktive Welt, die die Künstler auf die Leinwand brachten. Wir hören vom neuen Selbstbild der Frau, die gerne im Minikleid Charleston tanzt und Zigarette raucht - etwas, was vorher doch verpönt war.


Fazit
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Auch wenn die Weimarer Republik nur rund 15 Jahre der deutschen Geschichte ausmacht, lohnt es sich doch sehr, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Schließlich ist es die Zeit, auf die die schlimmste und brutalste Diktatur folgte, die es auf deutschen Boden je gab (und hoffentlich auch geben wird). Daher halte ich gerade die Kapitel, die Klußmann mit "Der Weg in die Diktatur" überschreibt, für besonders wichtig, schließlich sollte man sich genau das immer bewusst machen. Wenn es nämlich erst so weit ist, kann eine Diktatur niemand mehr so einfach rückgängig machen.

Spannend und interessant widmen sich die Autoren den unterschiedlichsten Kapiteln - ob Kunst und Kultur oder ob Menschen, die jene Zeit maßgeblich prägten - ob neue Freiheiten und trügerische Ruhe. Natürlich sind die einzelnen Assays mal mehr und mal weniger interessant - aber aufgrund der Struktur der unterschiedlichen Autoren kann man leicht auch mal ein Kapitel nur überfliegen oder gleich ganz überschlagen.

Alles ist schließlich unter dem Aspekt des heranziehenden Schattens zu sehen, der danach kam.

Von mir bekommt dieses wirklich sehr interessante Buch klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Dienstag, 1. März 2016

{Geschichte - 20. Jahrhundert} Hitlerbild im Wandel der Zeit

Hallo Leute!

Kaum eine Person hat die deutsche Geschichte so negativ geprägt wie der Schreihals aus Braunau am Inn, der die ganze Welt ins Elend gestürzt hat. Und noch heute prägt er die Wahrnehmung der Deutschen nicht nur im Ausland, sondern auch die Selbstwahrnehmung.

Ein sehr modernes Buch über die Rezeption Adolf Hitlers im Wandel der Zeit ist kürzlich im Bertelsmann Verlag erschienen...

Mensch, Adolf
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Daten
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Autor: Rolf Rietzler
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 3570102882
Preis: 24,99€
gebundene Ausgabe, 544 Seiten


Inhalt
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Kaum eine Person ist über die Jahrzehnte hinweg so unterschiedlich wahrgenommen wie Adolf Hitler.

Rolf Rietzler hat eben diese Rezeption der historischen Person über die unterschiedlichen Phasen hinweg analysiert und damit ein Buch geschaffen, das sich weniger mit der Person selbst beschäftigt, sondern viel mehr damit, wie er über die Jahrzehnte hinweg in Deutschland und der Welt gesehen wurde.

Direkt nach dem Krieg gab es zunächst eine Phase des Leugnens - den Mann hat es quasi nicht gegeben. Und wenn, dann ist er der große Sündenbock, der das Volk und die Welt ins Elend geführt hat.

Danach wird er wieder etwas salonfähiger, er liegt irgendwo zwischen einem bösen Phantom und einem Hampelmann - man beginnt, ihn mit Humor zu sehen, der Skandal mit den angeblichen Tagebüchern geht durch die Medien. Man darf sich über ihn lustig machen.

Nach der Wende dann probiert man, die Vergangenheit sachlich aufzuarbeiten - das Fernsehen kommt in alle Haushalte und Guido Knopp verrät alles über Hitler und die Frauen, Hitlers Helfer usw. Dabei entwickelt er sich beinahe zu einer TV Marke.




Fazit
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Auch wenn Hitler nun schon seit fast 71 Jahren tot ist, ist er noch heute omnipräsent - gerade erst ist die Wiederauflage seines Buches in der Diskussion gewesen und seine Ideologien werden auch wieder salonfähig. Und wenn man in England aus dem Bus steigt (D-Kennzeichen) wird man mit dem bösen "Heil" begrüßt. Als ich nach Österreich zog, spürte ich plötzlich, dass man hier ein völlig anderes Bild herrscht.

In seinem Buch stellt Rietzler das Hitlerbild in der Gesellschaft im Wandel der Zeit bis zum Jahr 1999 vor. Dabei schreibt er ein sehr modernes und flüssig zu lesendes Buch, das sich sehr angenehm von anderen Hitlerbüchern unterscheidet - denn Biografien gibt es ja schon zu genüge. Es beschäftigt sich eben mehr mit der Gesellschaft.


Von mir gibt es klare 5 Sterne

In diesem Sinne

Eure Anke

Sonntag, 28. Februar 2016

{Sachbuch - Geschichte - 20. Jahrhundert} Eine universalhistorische Deutung

Hallo Leute!

Ich bin ja durchaus geschichtlich sehr interessiert. Gerade das vergangene Jahrhundert ist eines, das mit seinen beiden Weltkriegen und geprägt durch den Kalten Krieg wohl die meisten Umbrüche mit sich brachte. Dan Diner versucht diese in seinem Buch zusammenzufassen und zu deuten...


Das Jahrhundert verstehen
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Daten
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Autor: Dan Diner
Verlag: Pantheon
ISBN: 3570552748
Preis: 16,99€
Broschiert, 400 Seiten


Inhalt
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In seinem Buch versucht Dan Diner die gesamthistorischen Entwicklungen auf der Welt aus den Jahren 1917 (der erste Weltkrieg geht gerade zu Ende, in Russland herrscht Revolution) bis ins Jahr 1989 (Fall des Eisernen Vorhangs) als Basis zu nehmen, um damit die aktuellen Entwicklungen einordnen und deuten zu können.

Sein Hauptfokus liegt dabei auf den Weltkriegsjahren und den Entwicklungen kurz danach, der Aufteilung der Welt und der Entstehung des Konflikts zwischen den verschiedenen Werteebenen, zwischen dem Kapitalismus (geführt durch die USA) und dem Kommunismus (geführt durch die Sowjetunion). Damit betrachtet Diner den vordergründigen Konflikt zwischen den beiden Ideologien als Hauptebene seiner Deutungen.

Als zweite Ebene betrachtet er den Konflikt zwischen Hegemonie und Nationalität und dessen Einfluss auf unsere nicht allzu ferne Zukunft.

Besonders deutlich werden in dem Buch die Verknüpfung einiger historischer Ereignisse, die eine ganz neue Deutungen zulassen und einen ganz anderen Blickwinkel zeigen.


Fazit
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"Das Jahrhundert verstehen" erfordert meiner Meinung nach ein fundiertes historisches Grundwissen, wer das nicht hat, wird sich wohl Seite für Seite quälen und das Jahrhundert am Ende auch nicht verstanden haben. Es ist ein wahrer, historischer Rundumschlag und daher nix für Leute, die im Geschichtsunterricht geschlafen haben.

Besonders spannend finde ich, dass Diner deutliche Parallelen zu aktuellen Konflikten deutlich aufzeigt (was ja eigentlich nach dem Jahrhundert der Kriege eine Warnung sein sollte). Er macht dabei die Vernetzung verschiedener Ereignisse untereinander aber auch Verknüpfungen zu Ereignissen in der heutigen Zeit besonders deutlich.

Interessant ist dabei, dass er die Zukunft keineswegs schwarz sieht, wenn man denn die historischen Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts versteht und als Orientierungshilfe nimmt um es besser zu machen.

Nicht besonders gefällt mir der Sprachstil. Wer keine historische Fachliteratur gewohnt ist, wird vor lauter Fachwörtern wohl schon im Vorwort die Segel streichen. Und die Sätze sind teils sehr verschachtelt, was schon ein sehr konzentriertes Lesen erfordert.

Von mir gibt es für dieses sehr interessante, fast schon epochale Werk 4 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke