Posts mit dem Label Geschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Geschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 5. Dezember 2016

{Geschichte} Europa (Teil 1)


Hallo Leute!


Ian Kershaw gehört als Hitlerbiograf zu den bekanntesten Historikern, die sich mit dem 20. Jahrhundert beschäftigt haben. Sein aktuelles Werk ist eine Zweibändige Analyse des vergangenen Jahrhunderts - Band 1 ist nun erschienen.


Höllensturz



Daten

Autor: Ian Kershaw
Verlag: DVA
ISBN: 3421047227
Preis: 34,99€
Gebundene Ausgabe, 768 Seiten

Inhalt und Fazit

Der britische Historiker Ian Kershaw nimmt uns mit auf eine Reise in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa und liefert dabei ein rundum Panorama der kriegerischen Zeit. Er beginnt mit dem Vorabend des Ersten Weltkrieges. Was hat zu diesem Höllensturz geführt? Warum kamen die Ereignisse so, wie sie kommen mussten?

Er erzählt davon, wie die Welt an den Rande des Abgrunds gerückt und da erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Ende des Kalten Krieges wieder rausgekommen ist.

Thematisch behandelt Kershaw damit 4 große Säulen: Was hat in den Krieg geführt? Warum war der Konflikt mit Ende des Krieges nicht gelöst? Warum hatte Hitler die Chance, an die Macht zu kommen? Und was führte zum Konflikt zwischen Kapitalisten und Kommunisten? 

Dabei gelingt es Kershaw aufgrund seiner Erzählweise, Geschichte ohne komplexe Quellenfussnoten fundiert, aber einfach darzulegen. Er lässt kein wichtiges Thema aus. Der Deutsche Kaiser hat Allmachtsphantasien, überall keimt Nationalismus auf, es musste zu einem Krieg führen. Beängstigend ist dabei übrigens, wie sehr sich die Ereignisse derzeit wiederholen.

Ich persönlich finde die Herangehensweise sehr spannend. Viele derartige Werke enden mit der Kapitulation. Kershaw allerdings führt die Analyse weiter in das Aufkeimen des Kalten Krieges, die Aufarbeitung der Kriegsereignisse bis hin zur Gründung der BRD und der DDR.

Das Buch thematisiert, warum Europa in Wahrheit eine ganz großartige Idee ist und besagt, was passiert, wenn man sich in Europa nicht mehr so ganz einig ist.

Von mir gibt es klare 5 Sterne

In diesem Sinne

Eure Anke



Donnerstag, 15. September 2016

{Geschichte - Islam} Auf den Spuren des 'Königs der Reisenden'

Hallo Leute!

Ibn Battuta ist einer der bekanntesten Reisen des 14. Jahrhunderts - auch genannt der "Marco Polo des Orients". 700 Jahre danach begibt sich Erich Follath auf seine Spuren.

Jenseits aller Grenzen

Daten
^^^

Autor: Erich Follath
Verlag: DVA
ISBN: 3421046905

Preis: 24,99€
Gebundene Ausgabe, 528 Seiten


Inhalt
^^^
Ibn Battuta ist einer der bekanntesten Reisenden des 14. Jahrhunderts. Zur gleichen Zeit, in der Marco Polo durch Asien reiste, reiste Battuta durch die damalige orientalische Welt. Von Tanger führt ihn die Reise über Tanger, Kairo und Damaskus, über Mekka, Shiraz und Dubai nach Istanbul, Dubai, Male, Jakarta und Hangzhou nach Granada. Mit seinem Reisebericht deckt er damit die gesamte damals vom Islam bestimmte Welt. Dabei beschreibt er den Islam als DIE Religion des Fortschritts.

Erich Follath geht 700 Jahre später genau auf die Spuren des bekannten Reisenden und schaut sich damit die islamische Welt an, wie sie heute ist. Anhand der Orte, die alle im 14. Jahrhundert eine ganz spezielle Bedeutung für den Islam hatten, schafft er eine Bestandsaufnahme. Mit welchen Problemen hat der Islam heute zu kämpfen? Haben sich die Erwartungen Ibn Battutas erfüllt? 

Erich Follath reist durch eine vollständig veränderte islamische Welt, die Ibn Battuta nicht wieder erkannt hätte - Konflikte schwehlen und scheinbar niemand besinnt sich mehr auf die absoluten Grundlagen des Islams zu besinnen.


Fazit
^^^
Sich mit dem Islam zu beschäftigen, ist für uns in der heutigen Gesellschaft quasi unerlässlich. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Nachrichten von irgendwelchen islamischen Konfliktherden in den Zeitungen stehen.

Spannend ist für mich vor allem die Gegenüberstellung und damit auch ein bisschen der Entwicklung des Islams über einen Zeitraum von 700 Jahren. Was ist noch heute so? Was hat sich verändert? Natürlich besonders spannend ist hier für mich Dubai, wo im Vergleich natürlich nicht mehr viele Spuren Battutas. Aber auch das Zusammentreffen mit anderen Moslems hilft ihm, die heutige Religion besser zu verstehen.

"Jenseits aller Grenzen" ist ein spannendes und lesenswertes Buch über den Islam damals und heute. Allerdings wird von Stadt zu Stadt etwas zäher, da natürlich viele Themen immer wieder auftauchen.


Von mir gibt es sehr gute 4 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Freitag, 9. September 2016

{Sachbuch - Geschichte - Die alten Römer} 753 - Rom kroch aus dem Ei

Hallo Leute!

753 - Rom kroch aus dem Ei, das ist meine erste Verbindung, die ich damals im Geschichtsunterricht mit dem alten Rom geknüpft habe. Später war ich dann aber auch selbst mal dort und muss zugeben, ich war weniger fasziniert von den vielen Kirchen als von den alten Bauwerken wie dem Kolosseum oder dem Pantheon.

Vom Spiegel ist kürzlich mal wieder ein neues Sachbuch über das Thema "Altes Rom" erschienen und genau das möchte ich euch heute vorstellen.


Rom - Aufstieg einer antiken Weltmacht
^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Herausgeber: Dietmar Pieper, Johannes Salzwedel
Verlag: DVA
ISBN: 3421047367
Preis: 19,99€
gebundene Ausgabe, 256 Seiten



Inhalt
^^^^
Die "Alten Römer" haben einer ganzen Epoche ihren Namen aufgedrückt - doch wie kam es dazu? In unterschiedlichen Aufsätzen werden die Seiten des Aufstiegs behandelt, von der sagenhaften Gründung 753 v. Chr. bis hin zur Ermordung Cäsars und dem anschließenden fortschreitenden Verfall der Republik.

Die Aufsätze unterschiedlicher Historiker werden grob in vier große Teile eingeteilt:

I. Vom Königtum zur Republik
II. Vormacht am Mittelmeer
III. Kulturnation Rom
IV. Zerfall der Republik

Die Geschichte der römischen Nation, die ihr Gebiet sukzessive erweitert, bis sie eine Vormachtstellung über das gesamte Mittelmeer hat - und dabei sind sie schon die dritte "Hochkultur" nach den Ägyptern und den Griechen. Wie aber haben die römischen Kaiser das angestellt? Wie haben sie die einzelnen Völker - zuletzt die Gallier besiegt?

Dabei wird einem immer wieder vor Augen geführt, wie tief die römische Kultur noch heute in uns verwurzelt ist von Tischsitten bis hin zur Sprachkultur - für vieles haben die Römer ihre Wurzeln gelegt.


Fazit
^^^^
Das Buch ist eine absolute Pflichtlektüre nicht nur für alle Asterix-Fans, sondern es führt einem auch die Wurzeln der europäischen Kultur vor Augen.

Wirkliche neue Erkenntnisse aus der Geschichtsforschung erfährt man zwar nicht, aber es handelt sich um eine schöne und sehr lesenswerte Darstellung in Form von unterschiedlichen Assays. Jeder dieser Assays bietet Einblicke in einen Aspekt der römischen Geschichte - so kann man sich auch in die römische Geschichte richtig hineinfallen lassen und sich auf die nächste Asterix-Session einstellen.

Von mir gibt es klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure anke

Sonntag, 4. September 2016

{Sachbuch - Geschichte - Wien} Heimatgeschichte

Hallo Leute!

Schon als ich nach Wien zog, habe ich mich intensiv mit der Geschichte (m)einer Stadt ausführlich beschäftigt. Als ich dieses Buch fand, landete es gleich in meinem Warenkorb...

Wien: Geschichte einer Stadt
^^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Johannes Sachslehner
Verlag: Pichler
ISBN: 3854317417
Preis: 22€
Broschiert, 320 Seiten


Inhalt
^^^^
Bei mehr als 2000 Jahre weiß man gar nicht so recht, wo man anfangen soll. Johannes Sachslehner fängt natürlich ganz am Anfang an - von den ersten Besiedelungsspuren bis in die Gegenwart.

Er nimmt uns mit auf eine Reise ins Römerlager Vindobona, das die Basis der heutigen Stadt Wien ist über die Babenberger und hindurch durch die lange Zeit der Habsburger, die Wien zum Zentrum der Welt machten bis hin zum Anschluss an das Dritte Reich und schließlich den Wiederaufbau und die zweite Republik.

Anschaulich erzählt er von den positiven, wie von den negativen Passagen in der Wiener Stadtgeschichte, von der Bedrohung durch die Türken, die die Stadt zweimal belagerten und zerstörten und auch von den Kämpfen gegen Napoleon, schließlich fand Napoleons erste Niederlage in der Schlacht bei Aspern nur wenige Kilometer vor den Toren Wiens statt.


Fazit
^^^^
Vom Römerlager zur Weltmetropole, anders kann man die Geschichte meiner Wahlheimat nicht überschreiben. Und das spannende ist, dass man aus all diesen Phasen bis zum heutigen Tag Spuren findet - sein es die Römerruinen im Keller des Römischen Museums am neuen Markt oder seien es die Ruinen einer Synagoge unterhalb des Judenplatzes, die die Spuren des ersten großen Judenprogroms zeigen. Von Spuren aus dem barocken Wien muss man wohl gar nicht reden, ganze Stadtviertel sind im barocken Stil.

Schön und anschaulich führt Sachslehner den Leser durch 2000 Jahre Geschichte, die besonders dem Wiener sehr zu Herzen gehen, eben weil er so viele Stellen kennen wird - denn Spuren der Geschichte findet man in Wien überall. Man muss es nur wissen. So habe ich etwa durch dieses Buch erfahren, dass quasi um die Ecke einst Richard Löwenherz vom Habsburgerkaiser festgesetzt und in Haft genommen wurde - erst danach habe ich das kleine Schild an der Hauswand nur wenige Häuser weiter entdeckt, das der Ereignisse gedenkt.

Natürlich ist es manchmal schwierig, die Ereignisse, die sich ja manchmal überschlagen, auf so wenigen Seiten zusammenzufassen. Da heißt es, konzentriert zu lesen, die Texte sind teils sehr gepackt mit Informationen. Aber trotzdem gelingt es Sachslehner das ganze unterhaltsam und angenehm herüberzubringen.

Von mir gibt es klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Montag, 8. August 2016

{Sachbuch - Geschichte} Geschichte in 85 Zitaten

Hallo Leute!

Auf der einen Seite gibt es zahllose Bücher über die Weltgeschichte, die kaum lesbar sind, voll mit Quellen und Daten. Doch dann gibt es auch noch Bücher, die Weltgeschichte leicht begreifbar machen. Das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, gehört definitiv in die zweite Kategorie.

Hier stehe ich, ich kann nicht anders
^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Helge Hesse
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-31010-9
Preis: 11Euro
Taschenbuch, 400 Seiten


Inhalt
^^^^
Eine Geschichte der Welt in 85 Zitaten (die Neuauflage von 2016 wurde um 5 Zitate ergänzt) - nichts illustriert die Geschichte besser.

Helge Hesse erläutert die Hintergründe dieser Zitate - wie kam es dazu, wie ist der historische Kontext und was waren die Folgen? Ausführlich und anschaulich wird man so von Griechenland über Rom bis nach Washington und Berlin. Und dabei stehen die Zitate alles andere als alleine, sie werden ausführlich und anschaulich erläutert.

Dabei fallen die wohl bekanntesten Sätze der Geschichte - von "Erkenne dich selbst" (Thales von Milet) über "Die Würfel sind gefallen" (Julius Cäsar) und "Und sie bewegt sich doch" (Galileo) bis hin zu Helmut Kohls "blühende Landschaften", George Bushs "Achse des Bösen" und Angela Merkels "Wir schaffen das" ist alles dabei - von der Frühgeschichte bis zum heutigen Tag.


Fazit
^^^^
Weltgeschichte geht auch anschaulich - denn kaum etwas illustriert die Geschichte besser als die Zitate, die bestimmte Ereignisse ausmachen.

Mit Helge Hesse begeben wir uns auf eine Reise durch die gesamte Weltgeschichte - von Thales bis (und daran erkennt man, wie aktuell das Buch ist) Angela Merkel - von griechischer Philosophie bis Flüchtlingskrise findet man alle "Größen" der Geschichte - Martin Luther steht da neben George Bush, Osama bin Laden steht neben John F. Kennedy, Ludwig XIV. neben Immanuel Kant. Geordnet sind die Zitate dabei Chronologisch.

Äußerst angenehm finde ich, dass die Zitate nicht - wie in so vielen anderen derartigen Büchern - für sich alleine gelassen werden - viel mehr werden sie fundiert, aber dennoch anschaulich auch für historische Laien erläutert. Die Hintergründe lesen sich spannend und zudem sind am Ende auch Quellen angegeben, mit denen man dann sein Wissen gleich noch vertiefen kann.

Ein tolles Buch, eine tolle Ergänzung zu "Ich habe einen Traum", in dem sich Hesse auf Zitate aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts konzentriert.

Von mir gibt es klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Samstag, 30. Juli 2016

{Hörbuch - Geschichte} Der Krieg ist zu Ende - es lebe die Revolution

Hallo Leute!

Alfred Döblin dürfte wohl vielen ein Begriff sein. In den Weltkriegsjahren schrieb er auf der Flucht ein echtes Monumentalwerk über die Novemberrevolution 1918 in Deutschland. Stolze 4 Bände hat dieses Werk - und alle wurden vertont. Mit dem Band "Karl und Rosa" handelt es sich um den 4. Band.


November 1918 - Karl und Rosa
^^^^^^^^^^^^

Daten
^^^
Autor: Alfred Döblin
Verlag: der Hörverlag
ISBN: 3844514597
Preis: 16,99€
gelesen von:  Judith Hofmann, Werner Wölbern, Wolf-Dietrich Sprenger, Mathias Lange, Jan Hofer
3 CDs, 2 Stunden 54 Minuten


Inhalt
^^^
1918 ist ein sehr kompliziertes Jahr in der deutschen Geschichte - im November ist gerade der Frieden von Compiègne unterzeichnet und verzweifelt bemüht sich Deutschland um eine neue Identität. Die Zeit der Entbehrungen ist vorbei, aber auch das Kaisertum ist Geschichte, eine neue Staatsordnung muss her. Naturgemäß bricht im ganzen Land eine politische Unruhe aus, die Novemberrevolution beginnt.

Im Fokus dieses Teils von Döblins Revolutionsbeschreibung steht die Arbeiterbewegung unter der Führung der bekannten Marxisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die im Zuge der Revolution beide Anfang 1919 ihr Leben lassen mussten.

Liebknecht rief unter anderem im Zuge der Revolution vor dem Berliner Schloss die "freie sozialistische Republik" aus, die sich aber im Zuge der Revolution relativ schnell der Weimarer Republik unterordnen musste.


Vertonung
^^^
Die Hörspielfassung von Norbert Schaeffer bietet Szenen aus dem Vierten Band der großen Saga Döblins. Dabei ist die Vertonung an sich sehr reduziert, es gibt nur sehr wenige Hintergrundgeräusche, so dass die Stimmen dominieren.

Es handelt sich um die gekürzte Fassung, ein wenig sollte man sich historisch schon auskennen, um den Hintergrund und die einzelnen Szenen gut erfassen zu können.


Fazit
^^^
Zugegeben, dieses Hörbuch ist sicherlich nichts für absolute Geschichtsmuffel. Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich mich da halbwegs gut auskenne - wer da mit wem und warum.Gerade in Zeiten der Novemberrevolution ist das Geflecht der Politik extrem kompliziert - wer setzt sich durch, wer nicht etc. Aber notfalls habe ich auch das eine oder andere nochmal kurz zum Verständnis bei Wikipedia nachgelesen, das macht es an vielen Stellen am Ende dann doch ein bisschen einfacher.

Mit verteilten Rollen gelesen und als Hörfassung recht schön bearbeitet gibt dieses Hörbuch gute Einblicke in den alltäglichen Kampf, den die Revolutionäre damals ausfichten mussten - und die beiden Protagonisten aus diesem Band wurden ja dann schließlich sogar im Januar 1919 auf offener Straße ermordet.

Das Hörbuch ist sicher kein "Easy Listening" für zwischendurch - das ist ein Klassiker wie Döblin wohl ohnehin selten - aber durch die grandiose Vertonung ist ein schönes und sehr hörenswertes Hörbuch entstanden.

Von mir gibt es sehr gute 4 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke


Freitag, 15. Juli 2016

{Sachbuch - Geschichte - Österreich} Meine Wahlheimat

Hallo Leute!

Als echter Geschichtsfan habe ich mich natürlich auch mit der Geschichte meiner Wahlheimat intensiv beschäftigt - schließlich war Wien ja einst das größte Machtzentrum der Welt - der Lebensmittelpunkt der Habsburger. Aber auch der Rest des Landes ist historisch wirklich spannend. Johannes Sachslehner hat sich mit den Orten beschäftigt, die die Geschichte in Österreich beeinflusst haben...

Schicksalsorte Österreichs
^^^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Johannes Sachslehner
Verlag: styria premium
ISBN: 3222135398
Preis: 22€
Broschiert, 320 Seiten


Inhalt
^^^^
Österreich ist einer der geschichtsträchtigen Landstriche - und geschichtsträchtige Orte findet man beinahe an jeder Ecke.

Von Dürnstein bis zur Brücke von Andau erzählt Sachslehner rund 1000 Jahre österreichische Geschichte - vom Gefängnis Richard Löwenherz auf Burg Dürnstein über die Inquisition und diverse Schlachten von Aspern bis Berg Isel bis hin zum Fokus auf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - Sarajewo, Kaiservilla, Heldenplatz und Belvedere. Er endet mit der Brücke von Andau, auf der Flüchtlinge aus Ungarn nach Österreich kamen.

Jeder Ort wird ausführlich beschrieben, auch auf kleinere Details etwa der Schlacht von Aspern (immerhin Napoleons erste Niederlage) werden mit spannenden Aspekten erläutert, die ich bisher noch nicht kannte.

Unfassbar schön bebildert stellt Sachslehner die unterschiedlichen Orte und deren Geschichte vor. Viele davon haben einen absoluten Wiedererkennungswert - "Da war ich schon" ist beim Lesen öfter mal gefallen.

Ganz interessant ist am Ende die Brücke von Andau, die Zehntausender ungarischer Flüchtlinge zur Freiheit verholfen hat wegen des ungarischen Volksaufstands. Damals haben die Österreicher die Ungarn mit offenen Armen empfangen. Hier wird auch gleich noch ein historischer Zusammenhang zur heutigen Zeit hergestellt.


Fazit
^^^^
Informativ, lehrreich und unterhaltsam - ich denke, das beschreibt es am Besten. Denn kaum eine Herangehensweise an die Geschichte ist spannender als die Reise zu den Orten, an denen sie passiert ist. Und dabei bleibt die Geschichte alles andere als eintönig - man kann sich perfekt in das Jahrhundert und in die jeweilige Situation hineinversetzen und fühlt sich ein bisschen wie ein Österreichischer Soldat im Kampf gegen Napoleon. Oder man fühlt sich, als würde man neben Leopold Figl stehen, während er im Belvedere den Staatsvertrag unterzeichnet.

Sachslehner hat sie zusammengestellt - kombiniert mit eindrucksvollen Bildern, wie man sie aus den vielen Büchern aus dem Styria premium Verlag gewöhnt ist.

Wenn man sich in die Geschichte Österreich hineinversetzen möchte, ist dieses Werk optimal geeignet. Von mir gibt es klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Donnerstag, 14. Juli 2016

{Sachbuch - Geschichte} Worte, die Geschichte machten

Hallo Leute!

Sätze, die Geschichte machen? Eigentlich zu jedem größeren Ereignis fällt mir da ein. Und mit diesem Sachbuch aus dem Piper Verlag gibt es dazu die Erklärungen und Ereignisse hinter den Sätzen...

Ich habe einen Traum - In 80 Sätzen durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts
^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Helge Hesse
Verlag: piper
ISBN: 3492254691
Preis: 11€
Taschenbuch, 368 Seiten


Inhalt
^^^^
In 80 Sätzen durch das 20. Jahrhundert - das hat sich Helge Hesse mit seinem Buch zum Ziel gesetzt. Und alle Größen des 20. Jahrhunderts sind vertreten - von Wilhelm II. bis Deng Xiaoping.

Chronologisch geht es durch die Geschichte des gesamten letzten Jahrhunderts.

Jedes der 80 Kapitel beginnt mit einem Satz - im Anschluss werden ausführlich die Hintergründe erläutert - die Situation, in der der Satz gesagt wurde und natürlich auch der historische Kontext.

Und die Klassiker sind alle dabei - von "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst" über "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu erbauen" oder "Ich habe einen Traum" bis hin zu Songtexten wie "I did it my way".

Und dabei geht es in dem Buch nicht ausschließlich um die politische Geschichte, sondern auch um Themen wie den Umgang mit Medien "Wir amüsieren uns zu Tode" oder "Jeder wird einmal 15 Minuten berühmt sein" oder die globale Gesellschaft "Wir leben in einem globalen Dorf".

Eigentlich sind auch alle großen Namen vertreten - von Kennedy bis Bush, von Lenin bis Gorbatschow, von Einstein bis Schweitzer. Allerdings darf jeder nur einmal - so fehlt zum Beispiel das legendäre "Isch bin ein Bärliner" von Kennedy, weil er schon mit einem anderen Zitat vertreten ist.

Am Schluss wird auch noch ein ausführliches Literaturverzeichnis angehängt, zum intensivieren.

Fazit
^^^^
Eine sehr außergewöhnliche aber auch interessante Herangehensweise an die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Schließlich gibt es kaum etwas, was sich mehr in den Kopf setzt, wie knackige Worte.

Und das spannende an diesem Buch ist es, dass eben nicht nur der Satz für sich alleine steht, sondern dass Hesse ausführlich die Hintergründe erläutert, die eben zum Teil auch überraschend sind. Das eine oder andere wird in einen ganz anderen Zusammenhang stellt, wie man ihn erwartet hätte.

Von mir gibt es 5 Sterne - die Idee ist großartig, die Umsetzung ist sogar unerwartet gut.

In diesem Sinne

Eure Anke

Mittwoch, 15. Juni 2016

{Geschichte - Biografie - Bayern} Mythos und Legende

Hallo Leute!

Kaum ein bayrischer König ist so bekannt wie der Erbauer des berühmtesten Schlosses - Neuschwanstein entstand in der Phantasie des exzentrischen aber doch auch zurückgezogen lebenden Ludwig II. Oliver Hilmes recherchierte nun erstmals für eine vollständige Biografie.

Ludwig II. - Der unzeitgemäße König
^^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Oliver Hilmes
Verlag: Pantheon
ISBN: 3570552721
Preis: 14,99€
Broschiert, 448 Seiten



Inhalt
^^^^
Ludwig II. ist ein bayrischer Mythos - nicht nur aufgrund der exzentrischen Schlösser, die mit besonderer Technik die Träume des Erbauers wahr werden ließen. Auch sein geheimnisvoller Tod in den Fluten des Starnberger Sees machen ihn zur Legende.

Oliver Hilmes erarbeitet erstmals eine vollständige Biografie von Ludwig - von der Wiege bis zur Bahre und darüber hinaus. Er konnte dazu erstmals geheime Dokumente aus dem bayrischen Staatsarchiv auswerten - etwa Obduktionsprotokolle - und erzählt damit zum ersten mal die gesamte Geschichte.

Es gibt Berichte zur extrem strengen Kindheit, die den Thronfolger schon früh verstörte. Es gibt Berichte zu seinem Leben als junger König mit Hang zu exzentrischen Bauvorhaben, die die Staatskasse schließlich völlig plünderten und natürlich wird auch sein Ertrinken im Starnberger See ausführlich behandelt, das ja vielen bis heute Rätsel aufgibt.

Hilmes versucht dabei, den Bogen zwischen Mythos und Realität zu schlagen. Dabei wird auch unter anderem analysiert, ob der König eventuell an einer psychischen Erkrankung gelitten haben könnte, die dazu führte, dass er sich als König kaum in der Öffentlichkeit präsentierte, sondern viel mehr in einer Art Traumwelt lebte.


Fazit
^^^^
Wohl jeder Deutsche (außer mir übrigens) war schonmal in Neuschwanstein, einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Welt. Und das, obwohl das Märchenschloss doch relativ abgelegen liegt. Hier hat sich wohl einer der exzentrischsten Monarchen verwirklicht.

Oliver Hilmes versucht eben genau diesen Bogen zu schlagen, zwischen dem Ludwig, den die Souvenirindustrie gemacht hat und dem Ludwig, der tatsächlich gelebt hat. Dazu wertete er hunderte Briefe und Korrespondenzen aus und erzählt Ludwigs Geschichte ganz neu - eine schwere Kindheit, brutale Erziehungsmethoden, eine einfältige Mutter und dann der ständige Druck, einmal der Monarch zu sein - andere sind daran zerbrochen, etwa der österreichische Thronfolger und Ludwigs Freund Rudolf, der sich erschossen hat.

Ludwig dagegen entwickelt seine eigene Art, mit dem Druck als König fertig zu werden - er flüchtet in eine Phantasiewelt, möglichst wenig Kontakt mit der Realität - was ihm ja schließlich auch zum Verhängnis wird - schließlich stirbt er, kurz nachdem man ihn für verrückt erklärt.

Hilmes gelingt es absolut, diesen Bogen zwischen Mythos und Realität zu spannen und gibt dabei mit den zahllosen ausgewerteten Korrespondenzen einen Einblick in das Gefühlsleben des Märchenkönigs - dabei hat mich auch der Schreibstil sehr überzeugt, trotz des trockenen Themas gelingt es Hilmes erneut, wie auch schon in vielen anderen historischen Sachbüchern, eine Spannung aufzubauen, dass man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen muss, dass man keinen Roman liest.

Ein tolles Sachbuch, eine tolle Biografie.

5 Sterne

In diesem Sinne

Eure Anke

Montag, 13. Juni 2016

{Hörbuch - Geschichte - Welt} Eine kurze Geschichte von allem

Hallo Leute!

Heute darf ich euch mal wieder ein schickes, historisches Hörbuch vorstellen. Und kaum etwas erzählt die Geschichte der Welt besser als die Objekte, die sie geschrieben haben - denn warum sonst gehen die Menschen in ein Museum.

Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten
^^^^^^

Daten
^^^
Autor: Neil MacGregor
Verlag: der Hörverlag
ISBN: 3844522786
Preis: 24,99€
3 MP3-CDs, 22 Stunden, 29 Minuten
gelesen von: Hanns Zischler, Rahel Comtesse, Detlef Kügow, Nico Holonies



Inhalt
^^^
Kaum etwas kann die Geschichte besser erzählen wie die Objekte, die dafür verwendet wurden, sie zu schreiben. Denn viele Menschen, die teilgenommen haben, können nichts mehr dazu sagen, weil sie lange unter der Erde sind.

Anhand von 100 ganz unterschiedlichen Objekten führt uns Neil MacGregor auf eine Reise quer durch die Weltgeschichte, vom Faustkeil bis zur Solarlampe "Made in China" - von der Mumie bis zur Kreditkarte.

Unterteilt werden diese Objekte in 20 Epochen, zu der jeweils 5 Objekte vorgestellt werden. Die 5 Objekte stammen dabei ganz gezielt aus völlig unterschiedlichen Regionen und Kulturen, was die Bandbreite der Weltgeschichte ausmacht.

Neil MacGregor ist Direktor des British Museum. Die Beschreibungen sind Teil eines bekannten Radioprojektes der BBC.


Die Lesung
^^^
Die Lesung empfinde ich als sehr angenehm - immerhin wechseln sich 4 Leser ab und durch die unterschiedlichen Stimmen fällt es einem sehr leicht, die Aufmerksamkeit sehr lange aufrecht zu erhalten - ich habe einen großen Teil auf einer langen Zugfahrt gehört und mir wurde nicht langweilig.

Auch hatte ich erst ja so meine Zweifel, dass ich ohne Bilder auskommen könnte. Schließlich habe ich schon die "Deutsche Geschichte in 100 Objekten" gelesen und da hat immerhin die Darstellung relativ viel ausgemacht. Nun haben hier aber die einzelnen Objekte in einer Radiosendung ihren Ursprung, weshalb zwar ein bisschen die Phantasie gefragt ist, aber die Vorstellungskraft wird sehr gut angeregt, man hat die Objekte förmlich vor Augen.

Die Lesung ist übrigens ungekürzt, da aber jeder Track einem Objekt entspricht, kann man langweiligere Objekte auch ganz leicht überspringen.


Fazit
^^^
Nun, es gibt ja durchaus einen Grund, warum Menschen so unglaublich gerne historische Museen besuchen - denn sehr häufig schaffen es bestimmte Ausstellungsstücke, den Besucher in seinen Bann zu ziehen. Und ich war sehr positiv überrascht, wie sehr MacGregor es mit einem Hörbuch geschafft hat, Bilder von den 100 Objekten zu zeichnen und einen sehr entspannt eine Reise durch die unterschiedlichsten Museen in der ganzen Welt an.

Ein virtuelles Museum - bei 22 Stunden braucht man natürlich einiges an Ausdauer, der Vorteil ist aber, dass man uninteressante Kapitel ganz einfach per Knopfdruck überspringen kann.

So kann man sich mehr als 22 Stunden quer durch die Weltgeschichte leiten lassen und einfach nur entspannt zuhören.

Von mir gibt es klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Donnerstag, 9. Juni 2016

{Hörbuch - Geschichte} Zum 200. Geburtstag

Hallo Leute!

Bin ich ein Freak? Manchmal glaube ich schon. Vor allem wenn ich darüber nachdenke, dass ich jetzt schon anfange, Hörbücher über das Leben von Otto von Bismarck zu hören...

Otto von Bismarck
^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Frank Eckhardt
Sprecher: Walter Renneisen, Torben Kessler, Moritz Stöpel, Ilona Fritz-Strauß feat. Otto von Bismarck
Verlag: Der Hörverlag
ISBN: 3844516220
Preis: 19,99€
2 CDs, 2 Stunden 8 Minuten


Inhalt
^^^^
Dieses Hörbuch ist zum 200. Geburtstag des preußischen Ministerpräsidenten und Macher der ersten Deutschen Einheit erschienen. Im Namen Preußens führte er drei große Kriege und das ohne jedliche Erfahrung im Regieren oder im Dirigieren von Soldaten. Er schuf die Hörigkeit gegenüber dem Kaiser, die entscheidend war für dessen Autorität. Bismarck ist sicherlich eine der bestimmenden Figuren in der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts.

Dieses Hörbuch geleitet einen in 2 Stunden durch die Lebensgeschichte des wohl bekanntesten Preußen und des Namensgebers einer Heringsspezialität. Interessant und detailreich erzählt begleitet man Bismarck durch sein Leben - von den Jugendjahren über seinen Weg in die Politik, durch Kriege und Friedenszeiten und schließlich auch zu seiner Tätigkeit als erster Reichskanzler und damit auch zum ersten echten Diplomaten der preußischen Geschichte, eine eigentlich unglaubliche Erfolgsgeschichte.

Zahlreiche deutsche Historiker haben an diesem Bild des Preußens mitgearbeitet.

Mit dabei ist auch der einzige erhaltene Originalton, der aus dem Jahr 1889 stammt.


Fazit
^^^^
Bismarck ist eine Persönlichkeit, die wohl jeder z.B. aus dem Geschichtsunterricht kennt. Mit diesem Hörbuch kommt man ihm aber tatsächlich sogar ein kleines bisschen näher. Gleich 4 Sprecher und er selbst erzählen aus seiner schier unglaublichen Erfolgsgeschichte.

Außergewöhnlich ist auch die Form, denn dieses Buch ist einzig und alleine als Hörbuch erschienen. Zahlreiche Preußenspezialisten aus der ganzen Welt haben an diesem großartigen Hörbuch mitgearbeitet und das spürt man beim Zuhören. Man kommt Bismarck beim Hören wirklich näher - der spannenden Figur mit dem interessanten Werdegang.

 Die Aufteilung der Sprecher ist sehr angenehm. Auch die Länge von gut 2 Stunden ist genau richtig durchdacht. Ich habe das Hörbuch am Stück gehört und habe nicht einmal gemerkt, dass die Zeit vergangen ist.

Von mir gibt es klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

{Sachbuch - Geschichte - Nazizeit} 16 Tage Pause für die Diktatur

Hallo Leute!

Die olympischen Spiele von 1936 in Berlin gehören nicht zuletzt dank der noch erhaltenen Gebäude zu den faszinierendsten Propagandashows des 20. Jahrhunderts. Ein bisschen kann man das Feeling noch erleben, wenn man im Olympiabad schwimmen geht oder wenn man das mächtige Olympiastadion anschaut.

Berlin 1936
^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Oliver Hilmes
Verlag: Siedler
ISBN: 3827500591
Preis: 19,99€
gebundene Ausgabe, 304 Seiten


Inhalt
^^^^
Tag für Tag folgt Oliver Hilmes den Ereignissen in Berlin im Sommer 1936 - aber nicht, wer welche Medaillen geholt hat, interessiert ihn, sondern wie die unterschiedlichsten Menschen Olympia in Berlin erleben - vom halbjüdischen Funktionär (dem "Alibijuden") oder den Chef des IOC, der eigentlich große Bedenken gegenüber den Spielen im Nazireich hat  über Sportler aus allen möglichen Ländern und Besuchern der Spiele (egal ob Einheimisch oder Touristen).

Anhand von Aufzeichnungen, Briefen und Tagebüchern erzählt Hilmes vom Erlebnis "Olympia unterm Hakenkreuz" - von den vielen kleinen Anzeichen - etwa dass der Gewichtheber, der den olympischen Eid schwört, dabei nicht wie vorgesehen die olympische, sondern die Hakenkreuzfahne in die Hand nimmt.

Immer wieder taucht etwa der Engländer Thomas Wolfe auf. Den begleitet man durch das Berliner Kulturleben, in die Nachtclubs und Bars. Doch gleich zu Anfang äußert er seine Bedenken, dass er Berlin, die Stadt der er verfallen sei, wohl "nie wieder" sehen wird.


Fazit
^^^^
Die Spiele von Berlin sind ein einziges Propagandakonstrukt und wohl das erste Massengroßereignis - legendär sind ja unter anderem die Filme von Leni Riefenstahl, die immer wieder als Beispiel der großen Propagandaleistung gefeiert werden.

Oliver Hilmes folgt in seinem Buch den unterschiedlichsten Menschen für genau diese 16 Tage im August 1936. Und damit lässt er die Spiele lebendig wirken wie nie.

Als sehr überraschend empfand ich, dass man die Diktatur für die Zeit der Spiele in Berlin quasi völlig zurückgefahren hat um sich als ganz normale, weltoffene europäische Großstadt zu präsentieren. Hitler hat beispielsweise außer dem Eröffnungssatz während der Spiele kein öffentliches Wort gesprochen. Mit einem Blick von heute kann man natürlich analysieren, dass genau diese "Friedensliebe" Teil der Propagandastrategie der Nazis war. Die Bars waren offen, die Anti-Judenschilder wurden auf Dauer der Spiele im Keller eingemottet - doch im Hintergrund läuft noch immer alles auf den Krieg hinaus.

Ein tolles Buch mit überraschenden Einblicken.

Von mir gibt es klare 5 Sterne

In diesem Sinne

Eure Anke

Dienstag, 7. Juni 2016

{Sachbuch - Geschichte - Nazizeit} Aufarbeitung ist gut

Hallo Leute!

Aufarbeitung der Nazizeit ist gut - gerade in unserer heutigen Zeit, wo rechte Kräfte wieder an Stärke gewinnen. Ich werde wohl zur letzten Generation gehören, die sich als Jugendliche bzw. Erwachsene persönlich mit Tätern und Opfern auseinandersetzen kann. Auf Beides wurde sowohl in der Schule als auch in meinem persönlichen Leben sehr viel Wert gelegt.

Meine Großeltern sind alle 4 aus ihrer Heimat (Sudetenland, Mähren und Breßlau) vertrieben worden und sind alle völlig unterschiedlich mit den Kriegsgeschehnissen umgegangen - eine Oma hat geschwiegen, die andere Oma war damals noch sehr jung und hat mir kürzlich erst erzählt, dass von einem Russen auf sie geschossen wurde, sie konnte sich aber noch in ein hohes Feld retten.

Alexandra Senffts Großvater war noch tiefer verstrickt. Er war damals für die SA in Bratislava stationiert und unterschrieb dort die Deportationsbefehle, weshalb er kurz nach dem Krieg hingerichtet wurde. Sie analysiert daher die Auswirkungen auf die heutige Generation.


Der lange Schatten der Täter
^^^^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autorin: Alexandra Senfft
Verlag: piper
ISBN: 349205739X
Preis: 22€
Gebundene Ausgabe, 352 Seiten


Inhalt
^^^^
Alexandra Senfft ist die Enkeltochter von Hanns Ludin, der 1947 als Kriegsverbrecher in Bratislava hingerichtet wurde. Er war SA-Obergruppenführer und an den Deportationen in der Slowakei beteiligt. Ihre persönliche Geschichte nimmt Alexandra Senfft (ehemalige Nahostreferentin bei den Grünen) zum Anlass für die Aufarbeitung der persönlichen Schicksale.

Aufhänger ist der Prozess um den Prozess um Oskar Gröning in Lüneburg. Der SS-Unterscharführer war 1942-44 in Auschwitz tätig und angeklagt, am Mord von 300000 Juden beteiligt gewesen zu sein. 2015 stand daher der 94jährige vor Gericht und Alexandra Senfft beobachtete das Verfahren.

In ihrem Buch beschäftigt sich Senfft mit den unbequemen Seiten der Aufarbeitung, die in den ersten Jahren nach dem Krieg quasi nicht existent war - sie war geprägt von Schweigen und vom "Schuldigfühlen" der Täter, das dadurch teils auf die Familien übertragen wurde. Das ging so weit, dass die Täter zu Opfern verklärt wurden und der Erwin ja nur dazu gezwungen war, zum Massenmörder zu werden, weil er sonst selbst ins Gas geschickt wurde.

Sie spricht mit Opfern wie mit Tätern und reist damit durch die Erinnerung, die sie als einen Auftrag für alle Generationen sieht.


Fazit
^^^^
Nun, die Aufarbeitung der persönlichen Geschichte ist selbstverständlich sehr wichtig. Mein Opa hat mir zum Beispiel immer nur die Geschichten aus seiner Heimat erzählt, nie aber was er genau im Krieg gemacht hat. Immer wenn ich mir Ausstellungen zu irgendwelchen KZ-Verbrechen oder anderen Massakern (z.B. in Kalavrita in Griechenland) anschaue, befürchte ich ein bisschen, ihn auf den Bildern wiederzufinden - das ist bisher aber glücklicherweise nicht passiert.

Der andere Opa (er war 1945 17 Jahre alt) war erst in den letzten Kriegstagen im Einsatz und erlebte die Bombennächte in Hamburg - er starb allerdings, als ich 13 war, damals konnte und wollte ich mich noch nicht so damit beschäftigen.

Sicherlich ist die Aufarbeitung wahnsinnig wichtig, vor allem weil es in der Verantwortung der aktuellen Generation steht, dass nie wieder eine Diktatur so viel Macht auf die Menschen hat, sie dazu zu bringen, ohne Bedenken Menschen in den Tod zu schicken. Auch die Prozesse wie die gegen Demjanjuk und Gröning in den letzten Tagen waren ein wichtiges Signal, dass ein solcher Mord nicht verjährt. Dabei ging es sicherlich nicht darum, die senilen Senioren für den Rest ihres Lebens einzusperren, sondern ein Signal an die kommenden Generationen zu senden, dass auch 70 Jahre nach Kriegsende die Verbrechen von damals geahndet und die Opfer gehört werden.

Eine Hypothese stört mich an dem Buch allerdings wahnsinnig. So schreibt Senfft von einer angeblichen epigenetischen Vererbung des Schreckens, das die KZ Überlebenden erlebt haben an die folgenden Generationen - die angebliche Studie dazu wird nicht zitiert. Nun bin ich aber studierte Molekularbiologin, mein Mann lehrt Molekularbiologie an der Wiener Uni und wir haben ausführlich diskutiert, dass eine solche Vererbung reiner Schwachsinn ist. Sicherlich wird das durch Erzählungen im Bewusstsein der folgenden Generationen in den Köpfen verankert, aber sicherlich nicht Vererbungsbiologisch, sondern viel mehr Neurologisch durch das Erzählen oder eben durch das Nichterzählen.

Eine Vererbung weckt wieder Assoziationen mit dem Begriff "Erbschuld", mit dem man ja so oft im Ausland konfrontiert wird. Für mich ist eine Erbschuld aber kompletter Humbug. Ich kann nichts dafür, was rund 40 Jahre vor meiner Geburt passiert ist. Allerdings liegt es in meiner Verantwortung, dass es definitiv nicht wieder passiert. Den Menschen etwas von ererbter Schuld einzureden, ist da wenig hilfreich, eine gelungene Aufarbeitung dagegen ist auch für die nächsten Generationen wahnsinnig wichtig, um den Frieden in Europa und der Welt zu bewahren.

Von mir gibt es 3 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke


Samstag, 4. Juni 2016

{Sachbuch - Geschichte - Weimar} Deutschlands erste Demokratie

Hallo Leute!

Schon seit Schulzeiten bin ich schon so ein bisschen ein Geschichtsfreak - Leistungskurs musste schon sein. Jüngere Deutsche Geschichte selbstverständlich. Ein Kapitel, das dabei immer ein bisschen Schattendasein fristet, ist die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen - und dass obwohl sie doch eine recht spannende Periode darstellt - nur kurz, aber immerhin war sie Deutschlands erste Demokratie. Mit dieser Zeit beschäftigt sich das neueste Werk von Uwe Klußmann.


Die Weimarer Republik
^^^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Herausgeber: Uwe Klußmann
Verlag: DVA
ISBN: 3421046964
Preis: 19,99€
Gebundene Ausgabe, 272 Seiten


Inhalt
^^^^
Der 9. November ist ein Schicksalstag für Deutschland - im Positiven wie im Negativen. In diesem Buch steht natürlich der 9. November 1918 im Fokus, als Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Balkon des Berliner Reichstages ausruft: »Die Hohenzollern haben abgedankt! Es lebe die deutsche Republik!«

Zum ersten Mal in seiner Geschichte regiert sich damit das deutsche Volk selbst. Doch diese Phase soll nur 15 Jahre anhalten, bis zur Machtergreifung Hitlers 1933.

Die unterschiedlichsten Historiker und Spiegelautoren widmen sich dem Thema Weimarer Republik von allen Seiten und zeigen dabei die Hochzeiten mit dem Wirtschaftsboom und trügerischer Stabilität und neuen Freiheiten, den "Goldenen Zwanzigern", aber auch die großen Krisen, etwa den Black Friday 1929, der natürlich auch auf die deutsche Wirtschaft seine Auswirkungen haben musste - und schließlich wird natürlich auch der Weg in das schwärzeste Kapitel geschildert und analysiert, warum es genau so kam, wie es gekommen ist.

Wir hören vom Kölner OB Konrad Adenauer, der sich von den Nazis so gar nicht einschüchtern lassen will, aber auch von den typischen Kunststilen aus dem Deutschland der 20er Jahre - Bauhaus und die destruktive Welt, die die Künstler auf die Leinwand brachten. Wir hören vom neuen Selbstbild der Frau, die gerne im Minikleid Charleston tanzt und Zigarette raucht - etwas, was vorher doch verpönt war.


Fazit
^^^^
Auch wenn die Weimarer Republik nur rund 15 Jahre der deutschen Geschichte ausmacht, lohnt es sich doch sehr, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Schließlich ist es die Zeit, auf die die schlimmste und brutalste Diktatur folgte, die es auf deutschen Boden je gab (und hoffentlich auch geben wird). Daher halte ich gerade die Kapitel, die Klußmann mit "Der Weg in die Diktatur" überschreibt, für besonders wichtig, schließlich sollte man sich genau das immer bewusst machen. Wenn es nämlich erst so weit ist, kann eine Diktatur niemand mehr so einfach rückgängig machen.

Spannend und interessant widmen sich die Autoren den unterschiedlichsten Kapiteln - ob Kunst und Kultur oder ob Menschen, die jene Zeit maßgeblich prägten - ob neue Freiheiten und trügerische Ruhe. Natürlich sind die einzelnen Assays mal mehr und mal weniger interessant - aber aufgrund der Struktur der unterschiedlichen Autoren kann man leicht auch mal ein Kapitel nur überfliegen oder gleich ganz überschlagen.

Alles ist schließlich unter dem Aspekt des heranziehenden Schattens zu sehen, der danach kam.

Von mir bekommt dieses wirklich sehr interessante Buch klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Samstag, 21. Mai 2016

{Geschichte - Weltkrieg - Schicksal} Das verdrängte Kapitel

Hallo Leute!

Ich werde sicherlich mit zu den letzten gehören, die sich mit Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges persönlich sprechen kann - und ich habe das auch ausgiebig getan, schließlich gehörten meine Großeltern zu jenen Deutschen, die an den Folgen des Krieges sehr stark zu leiden hatten - sie kamen aus dem Sudetenland.

Nun wurden diese Geschichten schon sehr ausführlich aufgearbeitet. Bisher verdrängt wurden aber die vielen Tausend Selbstmorde, die verübt wurden - vor allem am Ende des Krieges. Ganze Familien und Dörfer löschten sich selbst aus.

Florian Huber hat dieses verdrängte Kapitel nun in seinem Buch aufgearbeitet.

Kind, versprich mir, dass du mich erschießt
^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Florian Huber
Verlag: Piper
ISBN: 3492308988
Preis: 11€
Taschenbuch, 304 Seiten


Inhalt
^^^^
In Form von Augenzeugenberichten und Tagebüchern und anderen Dokumenten arbeitet Florian Huber die Geschichte verschiedener Selbstmorde auf. Damit beginnt er mit dem kleinen Ort Demmin bei Anklam im heutigen Mecklenburg Vorpommern. Dort töteten sich vor während und nach dem Anrücken der Front insgesamt mehr als 600 Menschen - egal ob Apotheker oder Tierarzt, egal ob Flüchtling oder Eingeborenen. Die Menschen schluckten Gift, gingen ins Wasser, erhängten sich - und häufig nahmen sie ganze Familien mit, kleine Kinder, Säuglinge - alles aus Angst vor den Russen oder aufgrund bereits erlebter Vergewaltigungen und Gewalt.

Von Demmin ausgehend geht Huber der gesamten Selbstmordwelle nach, die von Königsberg auszugehen scheint - ein Pfarrer in Berlin spricht dann erstmals von einer Selbstmordwelle vor allem im Ostbereich.

Im Westen gibt es bei weitem weniger Selbstmorde - und die zumeist aus ganz anderen Beweggründen - meist nicht aus Angst sondern aus Schuldgefühl. Hier sterben meist irgendwelche sehr Regimetreuen Nazigrößen.

Ergänzt wird das Ganze durch einige der wenigen Aufnahmen von Tatorten, meist gemacht von Fotografen der Militärs.


Fazit
^^^^
Obwohl ich mich doch sehr häufig mit dem Thema Weltkriege beschäftigt habe, war ich mir dem Ausmaß überhaupt nicht bewusst - ganze Ortschaften begingen Selbstmord - versammelten sich beim Jäger, der zunächst alle erschoss und am Ende selbst Gift nahm. Und obwohl ich vor allem die Geschichten meines Großvaters kenne, der in polnischer Gefangenschaft war und anschließend aus seiner Heimat vertrieben wurde. Meine Oma dagegen, die die Vertreibung als junge Mutter erlebte (mein Opa war ja nicht da), verlor nur selten ein Wort.

Huber arbeitet die persönlichen Geschichten anhand von diversen Quellen - anhand von Abschiedsbriefen, Tagebüchern und persönlichen Dokumenten besonders intensiv und eindringlich auf, so dass es mir erstmals bewusst wurde, welche Verzweiflung geherrschft haben muss, damit eine Mutter mit ihren zwei kleinen Töchtern ins Wasser geht und sich ertränkt. Oder dass der OB von Leipzig, seine Frau und seine Tochter tot und schon wächsern im Büro im Rathaus abgelichtet werden.

Von mir gibt es 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Montag, 2. Mai 2016

{Geschichte - Sachbuch} Geschichte für Zwischendurch

Hallo Leute!

Die gesamte Weltgeschichte auf 288 Seiten? Hört sich nach einem spannenden, aber auch mutigen Projekt an...

Weltgeschichte to go
^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Alexander von Schönburg
Verlag: rowohlt
ISBN: 3871348287
Preis: 18€
gebundene Ausgabe, 288 Seiten


Inhalt
^^^^
Alexander von Schönburg, selbst hochwohlgeboren und kleiner Bruder von Gloria von Thurn und Taxis, entführt uns zu den wichtigsten Punkten der Weltgschichte. Diese Punkte macht der Chefredakteur der Bildzeitung hauptsächlich an Orten und Kunstwerken, an Helden und Schurken fest.

Ein Kapitel widmet von Schönburg einer kurzen Zusammenfassung der Zeit vom Urknall bis vor ca. 12000 Jahren, bis zum sesshaften Menschen. Ein weiteres Kapitel widmet der Autor dem Thema "Big Bang-Momente", also den wichtigsten Momenten der Weltgeschichte, die zum Zeitpunkt, als sie passierten, noch nicht als solche Momente erkannt wurden.

Aufstieg und Niedergang der wichtigen Städte (also etwa Athen und Rom) wird ein weiteres Kapitel zuteil, genauso wie den wichtigsten Persönlichkeiten und deren Macken.

Ein besonders interessantes Kapitel widmet sich der Erzählung von Geschichte in Form von Kunstwerken und Erfindungen, die nicht immer glücklich gemacht haben.

Natürlich dürfen auch die großen Schurken der Weltgeschichte und ihre Armeen nicht fehlen - von Nero bis Hitler.

Schließlich geht es um die größten Irrtümer der Geschichte.


Fazit
^^^^
Weltgeschichte als leichte Kost präsentiert - eine mutige Idee, allerdings bei nur 285 Seiten eine ausführliche und zusammenhängende Abhandlung über 12000 Jahre (und mehr) zu schaffen. Das darf man vermutlich bei einem "to Go" Buch nicht wirklich erwarten - schließlich ist ja auch der to Go Kaffee von der Bäckerei selten der beste.

Hätte ich damals im Geschichtsunterricht gehabt - ich hätte keine Ahnung gehabt. Nun, rund 15000 Jahre in ein Buch zu packen, das kann nur sehr stark an der Oberfläche kratzen und nur sehr ausgewählt von den Ereignissen und Entwicklungen berichten - die großen Zusammenhänge, die ich mir eigentlich erwartet hätte, bleiben aber eher aus.

Das Buch ist eine amüsante Lektüre zwischendurch, aber wohl eher nix für Leute, die sich ernsthaft mit Geschichte auseinandersetzen und die komplexen Zusammenhänge verstehen wollen. Wenn man verstehen will, was ich meine - Herr von Schönburg ist hauptberuflich Chefredakteur der Bildzeitung.

Von mir gibt es daher 3 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke



Kommentar zum Hörbuch:

Irgendwie hat mir dieses Buch doch keine Ruhe gelassen - daher habe ich mir (mit Erfolg) zusätzlich das Hörbuch zugelegt, das mir wesentlich mehr zugesagt hat.

Daten
^^^^
Verlag: Randomhouse Audio
ISBN: 3837135306
Preis: 17,99€
4 CDs, 5 Stunden 12 Minuten




Lesung
^^^^
Die Lesung übernimmt kein anderer als der für mich beste Hörbuchleser, den ich kenne: Christoph Maria Herbst gelingt es, dem Buch seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken und dem eigentlich relativ trockenen Thema seinen eigenen Stempel aufzudrücken.


Fazit
^^^^
Das Buch ist eher na, ja. Ein bisschen was von allem aber nix richtig. Das Hörbuch dagegen ist grandios. Herbst gelingt es, mit seiner humorvollen Erzählweise dem Ganzen einen eigenen, sehr humorvollen Stempel aufzudrücken. Da sind die kleinen Geschichtslektionen, die man morgens in der Straßenbahn an sein Ohr dringen lässt, gleich ein toller Start in den Tag.

Wenn ich wählen sollte, ich würde jedem das Hörbuch ans Herz legen und weniger das Buch.

5 Sterne von mir.

In diesem Sinne

Eure Anke

Donnerstag, 28. April 2016

{Sport - Geschichte - Sachbuch} Olympia hat seine eigenen Geschichten

Hallo Leute!

Als deutscher Schüler hat man sich wohl mit kaum einem Thema im Geschichtsunterricht intensiver beschäftigt wie der NS-Propaganda. Dieser Roman erzählt die Geschichte von 9 Jungs aus der US-Provinz, die dem favorisierten Deutschen Team ganz unerwartet die Show in Berlin versauen.


Das Wunder von Berlin
^^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Daniel James Brown
Verlag: Riemann
ISBN: 3570501841
Preis: 21,99€
gebundene Ausgabe, 496 Seiten


Inhalt
^^^^
Berlin 1936 - Olympia wird zu einer wahren Propagandashow für das noch relativ junge Hitlerregime.

Das Wunder von Berlin erzählt die wahre Geschichte des US-Amerikanischen Ruderteams aus Perspektive des Jungen Joe Rantz, der relativ perspektivlos durch das Leben ging, bis er sich an der Universität von Seattle dem Ruderteam anschließt.

Intensives Training führt dazu, dass die 9 Ruderer des Nationalteams sich erst schwer finden, sich dann aber für die Spiele in Berlin qualifizieren.

Parallel dazu wird auch die Situation in Deutschland - die immer schärfer werdenden Repressalien gegen Juden und die immer heftiger werdende Propaganda aus US-Perspektive gezeigt.

Im Finale schließlich liegen die Boote von den USA, Italien und Deutschland innerhalb 1 Sekunde - doch Deutschland holt auf heimischen Boden nur Bronze, die USA gewinnt.

Das Buch zeigt aus einer sehr bewegenden Perspektive die Geschichte der wohl größten Propagandashow, die jemals auf deutschem Boden stattgefunden hat. Denn Daniel Brown hat sie direkt von der Quelle, Rantz erzählte sie ihm kurz vor seinem Tod.


Fazit
^^^^
Die Geschichte von Jesse Owens, dem farbigen Läufer, der vor den entsetzten Augen des Führers die Goldmedaille gewinnt, kennt wohl jeder. Die Geschichte der Rudermannschaft, die der deutschen Mannschaft die prestigeträchtige 8er Goldmedaille abjagt, kannte ich bisher noch nicht.

Das Buch erzählt dabei nicht nur intensiv die Deutsche und die Amerikanische Geschichte der 30er Jahre, sondern man erfährt auch viel über die eigentliche Sportart - das harte und intensive Training, aber auch die aus heutiger Sicht laienhafte Arbeit im Hintergrund.

Spannend ist der Wechsel der Perspektive. Als Schüler lernt man natürlich eher die "Im Nachhinein weiß ich es besser" Perspektive zu den Entwicklungen im Deutschland der 30er Jahre. Hier aber erfährt man, wie man in den fernen USA die Entwicklungen primär aus der Distanz, bei den Spielen aber auch aus nächster Nähe erlebt und bewertet.

Dabei hat das Buch einen gewissen leichten Stil, die einem das Lesen leicht macht (auch wenn man sich nicht wirklich mit dem Rudern identifiziert). Man kann regelrecht in der Geschichte versinken, hegt sofort Sympathie mit Joe - ein bisschen ein Feeling, als würde man bei Opa im Wohnzimmer sitzen und sich seine alten Geschichten anhören.

Von mir gibt es klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Dienstag, 19. April 2016

{Reisen - Geschichte - Sachbuch} Napoleon, Wodka und ein altes Motorrad

Hallo Leute!

Reisen und Geschichte - beides fasziniert mich. Und natürlich weiß man auch so grob, was es mit Napoleons Russlandfeldzug auf sich hatte.

Der französische Reisejournalist Sylvain Tesson begibt sich eben auf diese Reise - mit einem alten URAL Motorrad begibt er sich auf der Rückzugsroute Napoleons quer durch Russland.


Napoleon und ich
^^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Sylvain Tesson
Verlag: Knaus
ISBN: 3813507181
Preis: 19,99€
gebundene Ausgabe, 224 Seiten


Inhalt
^^^^
200 Jahre ist es her, dass Napoleon sich aus Russland zurückziehen musste, als sich Sylvain Tesson mit einer Gruppe von 4 anderen auf alten russischen Motorrädern im Dezember 2012 aufbricht. Er will entlang Napoleons Rückzugsroute von Moskau nach Paris fahren, mitten durch den russischen Winter.

4000 km geht es durch Schnee und Eis - auf den Spuren Napoleons - über Smolensk und Warschau, über Berlin bis nach Paris. Das Motorrad macht das, was alte Motorräder nun mal machen - manchmal springt es an, mal nicht. Er fährt über Schlachtfelder, an denen die Grande Armee aufgerieben wurde.

Natürlich wird - wie es sich für Russland gehört - viel Wodka konsumiert, schließlich muss man sich ja gegen die Kälte schützen.


Fazit
^^^^
Puh, eigentlich hatte ich mich sehr auf dieses Buch gefreut - auf den Spuren Napoleons durch den russischen Winter. Leider aber konnte ich mich mit dem Schreibstil überhaupt nicht anfreunden.

Zum einen muss man schon wirklich tief in der historischen Materie drinstecken, um den Autor auf den Spuren des kleinen Korsen wirklich folgen zu können - ich habe mich bisher nur mit Napoleon in der Wiener Gegend beschäftigt (wo er ja etwas erfolgreicher war) und hätte mir etwas mehr Überblick gewünscht als nur eine Karte Russlands, auf der kommentarlos die Wege (Hin- und Rückzugsroute) verzeichnet sind. 

Zum Anderen kaufe ich Sylvain wirklich ab, dass alte russische Motorräder geil sind - ich kann aber trotzdem nicht wirklich nachvollziehen, warum er etwa unbedingt am 2. Dezember aufbrechen muss (Napoleon begann seinen Rückzug im Oktober) - nur weil Sylvain halt zufällig in Russland auf einer Buchmesse ist oder weil der tiefe Winter ein Grund ist, viel Wodka zu trinken und über die Zicken seines alten Motorrades mit Beiwagen zu lästern, nun ja - verstanden habe ich es nicht. Und seinen Humor konnte ich kaum teilen. Jedenfalls wird Sylvain andere Bedingungen erfahren haben wie Napoleon 200 Jahre und 2 Monate früher.

Auch nicht verstanden habe ich, warum er einen Fotografen dabei hatte (was auch häufiger betont wird) - denn Fotos fehlen in dem Buch vollständig.

Eine besondere Reise, deren Beschreibung meiner Meinung nach nicht überzeugt hat - ich konnte keine Sympathie mit dem Protagonisten aufbauen, kurz gesagt, mehr als 2 Sterne kann ich kaum geben.

In diesem Sinne

Eure Anke

Mittwoch, 6. April 2016

{Gegenwartsliteratur - Tschechien - Monolog} Verstörend

Hallo Leute!

Das Thema "Wutbürger" ist ja in unserer Gesellschaft allgegenwärtig - frustrierte Helden, die früher mal von größerem geträumt haben... Und bekannt ist auch, dass das Problem in den ehemals kommunistischen Staaten umso stärker ist. In Prag gibt es auch solche Viertel, in die man als klassischer Tourist gar nicht kommt - in die Plattenbauviertel - da wo auch Vandam lebt.


Nationalstraße
^^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^
Autor: Jaroslav Rudis
Verlag: Luchterhand
ISBN: 3630874428
Preis: 14,99€
Broschiert, 160 Seiten


Inhalt
^^^^
Vandam lebt das klassische Leben eines der Helden der samtenen Revolution. Damals, als die kommunistischen Regierungen eine nach dem anderen ins Wanken geraten ist, war Vandam ein junger Polizist aus der Vorstadt, aus der Prager Plattenbausiedlung.

Doch heute ist Vandam gar nichts - er ist einer der größten Verlierer der Stadt - zwar schafft er, so wie er sagt, 200 Liegestützen täglich am Stück, doch er wurde wegen übler Gewaltexzesse aus dem Polizeidienst entlassen. Und inzwischen sympathisiert er relativ offen mit dem Nationalsozialismus, sein Wahlspruch lautet:

»Ich bin ein Römer. Kein Nazi. Warum sollte man in Europa nicht mit dem römischen Gruß grüßen dürfen? Ich bin ein Europäer. Ihr etwa nicht? Heil dem Volk! Heil Europa! Neger raus. Zigos raus. Sozialschmarotzer raus. Schwuchteln raus. Böhmen den Tschechen.«

Und Vandam gibt uns - oder eigentlich seinem Sohn - Einblicke in den Kopf eines Verlierers in der Prager Vorstadt, der zwar glaubt, kein Nazi zu sein (was er häufiger betont) aber doch sehr mit der Ideologie sympathisiert.


Fazit
^^^^
"Ich bin kein Nazi, aber..." - wie oft hört man das in Zeiten der Flüchtlingskrise. Und Jaroslav Rudis gelingt es auf sehr eindrucksvolle Art, einen Einblick in die Gefühlswelt eines Menschen zu geben, der ein offenes Problem mit der Regierung und vor allem mit Ausländern hat - aber natürlich kein Nazi ist.

Dieser intensive Monolog lässt tief in die Seele von Vandam blicken aber auch in die Seele einer Gesellschaft, in der solche Bewegungen entstehen, die Asylbewerberheime anzünden und Busse mit Flüchtlingen blockieren. Welche Gedanken und welche Ängste prägen so einen Menschen? Eine Frage, die ich mir bei sowas immer wieder stelle.

Und Vandam hat darauf eine Antwort: Es ist schlicht und einfach das eigene Versagen, das umso intensiver wird, umso mehr Menschen die Gesellschaft, in der Vandam sich ausruht, sich verändert. Immer wieder beruft er sich darauf, wie sehr sein Vater das Gelände dem Wald abgetrotzt hat und dass er in der Kneipe auf dem Platz sitzt, auf dem schon sein Vater saß - und auf dem der Sohn mal sitzen soll...

Ein fast schon verstörender Einblick in die Seele eines "Ich bin kein Nazi, aber..." Menschen...

In diesem Sinne

Eure Anke 

Mittwoch, 23. März 2016

{Geschichte - Mittelalter - Sachbuch} Zeitreise

Hallo Leute!

Das Mittelalter hat mich irgendwie schon immer fasziniert - vermutlich gerade weil es so fern liegt und doch so große Zeugnisse hinterlassen hat - Burgen und Kathedralen werden überall gebaut, die Pest wütet - klingt irgendwie mystisch.

Das Buch, das ich euch heute vorstelle, handelt aber nicht etwa von den großen Herrschern, sondern viel mehr vom Alltag in damaliger Zeit.

Leben im Mittelalter
^^^^^^^^^^^^^^^

Daten
^^^^^
Herausgeber: Annette Großbongardt, Johannes Saltzwedel
Verlag: Goldmann
ISBN: 3442158702
Preis: 10,99€
Taschenbuch, 272 Seiten


Inhalt
^^^^^
Das Mittelalter ist seit jeher eine Art Projektionsfläche - und es ist absolut hip, bedenkt man nur die unzähligen Mittelaltermärkte, auf denen sich Menschen treffen, um Mittelalter zu spielen. Annette Großbongardt und Johannes Saltzwedel haben in diesem Buch zahlreiche Artikel zusammengestellt, die in den unterschiedlichen Formaten des Spiegel erschienen sind.

In den Assays und Interviews schreiben die Autoren über die unterschiedlichsten Themen, die das Thema Mittelalter heute und damals bestimmen. Dazu gehören etwa die Kartografie im Mittelalter (damalige Karten bildeten mehr eine göttliche Ordnung ab als die Realität) oder auch die zahlreichen mittelalterlichen Klöster, die auch politisch einen gigantischen Einfluss erhielten.

Unterteilt wurden diese Assays in die großen Gruppen der damaligen Gesellschaft: "Mönche und Klerus", "Bauern und Volk", "Ritter und Adel" sowie "Bürger und Intellektuelle".

Besonders spannend fand ich den Artikel über die Entstehung der Universität von Paris und den immer stärker werdenden Wissensdurst.



Fazit
^^^^^
Hmmm, auch bei diesem Buch kommt es wieder ein bisschen darauf an, was man sich erwartet. Es unterhält und transportiert zahlreiche (auch weniger bekannte) Fakten zum Alltag im Mittelalter. Allzu viel Geschichtswissenschaftlichen Tiefgang sollte man sich allerdings nicht erwarten.

Es liefert interessante Einblicke in alle Schichten der Gesellschaft - wie war das Leben im Kloster, was bedeutete Leibeigenschaft. Wie lebte der Adel? Wie lebten die Bürger? Alles spannende Fragen, über die ich mir immer schon mal Gedanken gemacht habe, mittelalterliche Städte und Klöster oder auch Burgen habe ich ja schon genügend besucht.

Ein wirklich interessantes Buch mit spannenden Assays - von mir gibt es 4 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke