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Mittwoch, 5. Oktober 2016

{Sprache - Propaganda - Zeitgeschehen} Propaganda

Hallo Leute!

Warum gehen immer mehr junge Menschen aus Europa in den Krieg nach Syrien oder sprengen sich hier in die Luft? Die Logik, die dahintersteckt, entgeht mir immer wieder genauso, wie wenn man sieht, dass die Generation meiner Großeltern einem Unrechtsregime zugejubelt haben. Nur ist einem die Propaganda des Islam wesentlich weniger präsent. Philippe-Joseph Salazar analysiert die Sprache, die junge, westliche Menschen in den Krieg zieht.

Die Sprache des Terrors

Daten

Autor: Philippe-Joseph Salazar
Verlag: Pantheon
ISBN: 3570553434
Preis: 14,99€
Broschiert, 224 Seiten

Inhalt

Die IS nützt alle Social Media Kanäle, um für neue "Kämpfer im Namen Allahs" zu werben - auch die westlichen Medien werden für sich eingenommen, um die speziellen Bedürfnisse junger Menschen anzusprechen und sie in den Krieg zu ziehen.

Gleichzeitig fällt es uns schwer, der Gruppe überhaupt einen Namen zu geben - in Syrien kämpft der "Islamische Staat", dazu gibt es Al Kaida oder Boko Haram - alle setzen sich den Islam als Grundlage ihres Kampfes. Dabei ist es viel mehr - ein Kampf um Macht.

Er analysiert dabei alle denkbaren Szenarien - von Anschlägen in Europa bis hin zu "Ungläubigen" als Menschenopfer um eine gewisse Faszination und eine Dazugehörigkeit zu wecken. Dabei greift der Autor direkt auf konkrete Beispiele wie Videos und Broschüren aus der IS-Propaganda zurück und nimmt diese en Detail auseinander und weckt dabei ein tieferes Bewusstsein, wie die IS so tickt...

Fazit

Man kann einen Gegner nur besiegen, wenn man ihn versteht und wenn man den Grund versteht, warum ein junger Mensch, der eigentlich nur von Smartphones und Mädchen träumt, aus Deutschland aufbricht, um einen Krieg im Namen Allahs zu führen. Brüssel, Paris, Würzburg - die IS rückt auch in Europa immer mehr ins Licht der Öffentlichkeit

Propaganda ist hier natürlich das große Stichwort. Salazar analysiert, wie die Sprache des Islam in der Propaganda funktioniert, die sehr stark von Bildern lebt. Und nur, wenn man diese Art der Propaganda versteht und wenn es gelingt, den "Nachschub" an Kämpfern abzuschneiden, hat man die Möglichkeit, die IS effizient zu bekämpfen - und da liegt er mit mir auf einer Wellenlänge. 

Leider spricht Salazar nicht wirklich eine Sprache, die jeder versteht. Man hat hier kein populärwissenschaftliches Buch, sondern es ist viel mehr ein Fachbuch, dessen Verständnis etwas Mühe kostet. Es ist wohl etwas mehr für Sprachwissenschafter geschrieben. Das Buch erfordert eine sehr (extrem) intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Islamischer Extremismus. Aber es ist eine Auseinandersetzung, die sich lohnt und weit über jede TV-Dokumentation zu dem Thema hinausreicht.

Mittwoch, 15. Juni 2016

{Geschichte - Biografie - Bayern} Mythos und Legende

Hallo Leute!

Kaum ein bayrischer König ist so bekannt wie der Erbauer des berühmtesten Schlosses - Neuschwanstein entstand in der Phantasie des exzentrischen aber doch auch zurückgezogen lebenden Ludwig II. Oliver Hilmes recherchierte nun erstmals für eine vollständige Biografie.

Ludwig II. - Der unzeitgemäße König
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Daten
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Autor: Oliver Hilmes
Verlag: Pantheon
ISBN: 3570552721
Preis: 14,99€
Broschiert, 448 Seiten



Inhalt
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Ludwig II. ist ein bayrischer Mythos - nicht nur aufgrund der exzentrischen Schlösser, die mit besonderer Technik die Träume des Erbauers wahr werden ließen. Auch sein geheimnisvoller Tod in den Fluten des Starnberger Sees machen ihn zur Legende.

Oliver Hilmes erarbeitet erstmals eine vollständige Biografie von Ludwig - von der Wiege bis zur Bahre und darüber hinaus. Er konnte dazu erstmals geheime Dokumente aus dem bayrischen Staatsarchiv auswerten - etwa Obduktionsprotokolle - und erzählt damit zum ersten mal die gesamte Geschichte.

Es gibt Berichte zur extrem strengen Kindheit, die den Thronfolger schon früh verstörte. Es gibt Berichte zu seinem Leben als junger König mit Hang zu exzentrischen Bauvorhaben, die die Staatskasse schließlich völlig plünderten und natürlich wird auch sein Ertrinken im Starnberger See ausführlich behandelt, das ja vielen bis heute Rätsel aufgibt.

Hilmes versucht dabei, den Bogen zwischen Mythos und Realität zu schlagen. Dabei wird auch unter anderem analysiert, ob der König eventuell an einer psychischen Erkrankung gelitten haben könnte, die dazu führte, dass er sich als König kaum in der Öffentlichkeit präsentierte, sondern viel mehr in einer Art Traumwelt lebte.


Fazit
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Wohl jeder Deutsche (außer mir übrigens) war schonmal in Neuschwanstein, einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Welt. Und das, obwohl das Märchenschloss doch relativ abgelegen liegt. Hier hat sich wohl einer der exzentrischsten Monarchen verwirklicht.

Oliver Hilmes versucht eben genau diesen Bogen zu schlagen, zwischen dem Ludwig, den die Souvenirindustrie gemacht hat und dem Ludwig, der tatsächlich gelebt hat. Dazu wertete er hunderte Briefe und Korrespondenzen aus und erzählt Ludwigs Geschichte ganz neu - eine schwere Kindheit, brutale Erziehungsmethoden, eine einfältige Mutter und dann der ständige Druck, einmal der Monarch zu sein - andere sind daran zerbrochen, etwa der österreichische Thronfolger und Ludwigs Freund Rudolf, der sich erschossen hat.

Ludwig dagegen entwickelt seine eigene Art, mit dem Druck als König fertig zu werden - er flüchtet in eine Phantasiewelt, möglichst wenig Kontakt mit der Realität - was ihm ja schließlich auch zum Verhängnis wird - schließlich stirbt er, kurz nachdem man ihn für verrückt erklärt.

Hilmes gelingt es absolut, diesen Bogen zwischen Mythos und Realität zu spannen und gibt dabei mit den zahllosen ausgewerteten Korrespondenzen einen Einblick in das Gefühlsleben des Märchenkönigs - dabei hat mich auch der Schreibstil sehr überzeugt, trotz des trockenen Themas gelingt es Hilmes erneut, wie auch schon in vielen anderen historischen Sachbüchern, eine Spannung aufzubauen, dass man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen muss, dass man keinen Roman liest.

Ein tolles Sachbuch, eine tolle Biografie.

5 Sterne

In diesem Sinne

Eure Anke

Mittwoch, 4. Mai 2016

{Politik - Kokain - Sucht} Irgendwann landets dann in der Thaliastraße

Hallo Leute!

Nun bin ich ja Suchtmitteltechnisch wirklich ganz sauber - noch nichtmal das mit dem Tabak habe ich probiert - jaaa, okay - Aktiv bin ich sauber - ein bisschen Passivrauch werde ich schon mal abbekommen haben.

Trotzdem ist man immer mal wieder mit dem Drogenthema in Kontakt - in Wien ja besonders, wenn man mit der Drogen-U-Bahn U6 fährt. Auch wenn man nix kaufen will, es ist immer gut zu wissen, wo es was geben könnte... Aber bis es in der Wiener Thaliastraße angekommen ist, hat es schon einen weiten Weg zurückgeleckt.

Ana Lilia Pérez zeichnet eben diese Wege nach.

Kokainmeere
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Daten
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Autorin: Ana Lilia Pérez
Verlag: Pantheon
ISBN: 3570553388
Preis: 14,99€
Broschiert, 320 Seiten


Inhalt
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Mexiko ist wohl das Herkunftsland der meisten Drogen, die in Europa auf den Markt kommen. Und größtenteils kommen sie über das Meer und den Hamburger Hafen auf den Kontinent. Und gegen die Macht der Kartelle ist der deutsche Staat quasi wehrlos.

Die mexikanische Journalistin zeichnet eben diese Wege von den Herstellerländern (im Wesentlichen olumbien, Bolivien, Peru und Brasilien) über Nordamerika nach Europa nach - was für sie natürlich zufolge hat, dass sie in ihrem eigenen Land Mexiko nicht mehr leben kann. Sie deckt die mafiösen Strukturen auf und damit auch die beteiligten Organisationen und Personen. Besonders spannend ist dabei dargestellt, wer da so alles vom weltweiten Drogenmarkt profitiert.

Und die schrecken vor nichts zurück, bestechen Hafenmitarbeiter oder drohen mit Gewalt, wenn nicht kooperiert wird.

Gleichzeitig begleitet sie auch internationale Drogenfahnder bei ihrem täglichen Kampf, diese Strukturen und Wege zu durchbrechen - doch meist finden die Kartelle schnell einen Ausweichweg und es geht weiter wie zuvor - größere Funde sind zwar ärgerlich für die Drogenbosse, schließlich aber doch nur Peanuts. Ein gleichzeitig gefährlicher aber auch aussichtsloser Job.



Fazit
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Immer häufiger hört man von gigantischen Drogenfunden - meist aus dem Hamburger Hafen. Tonnen von Kokain oder ähnlichem werden gefunden - eine große Meldung in den Nachrichten. Dass es sich für die Drogenkartelle aber eigentlich nur um Peanuts handelt im Vergleich zu dem, was tagtäglich den Hafen passiert, würde man dabei kaum denken.

Ana Lilia Pérez zeichnet die Mafiastrukturen nach, die dahinterstecken nach und liefert dabei kein trockenes Sachbuch, sondern sie nutzt vor allem anhand von Fallbeispielen nach, sowohl wenn die Fahnder erfolgreich waren als auch, wie und in welcher Geschwindigkeit sich das System nach einem kleinen Fang verändert, damit schnell 10x so viele neue Drogen ins Land kommen.

Erstaunlich für mich war dabei, wie viele Organisationen (natürlich bekannte Verbrecherorganisationen) vom internationalen Drogenhandel profitieren - von Camorrha bis IS und wie enorm viel Geld dabei umgesetzt wird - und da sind die paar kleinen Dealer in der Wiener Thaliastraße und sonst wo ja nur die kleinsten Fische.

Von mir gibt es für dieses hochinteressante Buch ganz klare 5 Sterne - sehr lesenswert und eine sehr mutige Recherche. Ich möchte nicht wissen, wie viele Auftragskiller hinter Frau Pérez jetzt her sind.

In diesem Sinne

Eure Anke